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Auf den Dackel gekommen Petra Spoerle-Strohmenger

Geschrieben: Stefan Volkamer

Es gibt schon merkwürdige und außergewöhnliche Lebensgeschichten. Eine von ihnen ist die von Petra Spoerle-Strohmenger aus Gauting. Evangelische Theologin, Fachzeitschriftenredakteurin, Mediendesignerin und … eine der renommiertesten Dackelfotografinnen in Deutschland. Wir haben da mal nachgeforscht.

Als Petra in den 60er und 70er Jahren in Düsseldorf aufwuchs, hatte sie zwar keine Geschwister zum Spielen an ihrer Seite, wohl aber einen Hund. Doch nicht irgendeinen, sondern einen Dackel, Caspar. Sperrig, selbstbewusst, stur, kämpferisch, frech, ein Freigeist eben. „Er passte gut zu mir“, so erinnert sich Petra Spoerle-Strohmenger noch heute gerne an ihn, „denn er und ich hatten viele Gemeinsamkeiten, wir lagen charakterlich sehr nah beinander.“ Einen großen Teil ihrer Jugend haben Petra und Caspar auf den Düsseldorfer Rheinwiesen verbracht. Da sie auch schon in jungen Jahren eine gewisse Abenteuerlust verspürte, zog es sie mit 20 nach Berlin. Dort folgten nach einigen Jahren das Abitur auf dem Zweiten Bildungsweg und später ein Studium der Evangelischen Theologie, zuerst an der Kirchlichen Hochschule Berlin und dann später, nach dem Mauerfall, an der angesehenen Humboldt-Universität. "Berlin war damals schon eine überaus spannende Stadt, die Zeiten der Wende und meines Studiums dort in Berlin Mitte, nahe der Museumsinsel und des Französischen Doms, waren geprägt von vielen politischen und historischen Ereignissen, es war eine tolle Zeit...", erinnert sich Petra.

Von der Spree an die Isar

Der Abschluss zur Dipl.-Theologin folgte einige Jahre später, zeitgleich trat ihr heutiger Ehemann, Michael, in ihr Leben ein. Für den gebürtigen Regensburger aber war ein Umzug nach Berlin aus beruflichen Gründen nicht möglich, und so entschloss sich Petra Spoerle-Strohmenger von der Spree an die Isar zu ziehen. In München absolvierte sie noch eine weitere Ausbildung als Fachzeitschriftenredakteurin, bis sie auf ein Stellenangebot der Bundeswehr stieß. „Die suchten damals jemanden für die Pressestelle der Bundeswehr in München, und ich suchte dringend einen Job.“ Das mit dem Job klappte und die Theologin arbeitete von nun an und für weitere fast 17 Jahre in der Pressestelle der Bundeswehr und kümmerte sich um den Bereich Mediendesign. Ihr Hobby, die Fotografie, konnte sie gut in ihren Job einbringen. Und einen Hund hatte sie auch damals wieder, natürlich einen Dackel.

Der Workshop und seine Folgen

Eines Tages nahm sie aus reinem Spaß und aus Freude an der Sache an einem Workshop für Hundefotografie teil. Dieser Workshop begeisterte sie dermaßen, dass sie sich entschloss, mehr aus ihrem Hobby und ihrer Liebe zu Dackeln zu machen. Mit Genehmigung Ihres Arbeitgebers machte sie sich nebenher selbständig als Dackelfotografin, sprach Hunde- und Dackelbesitzer auf Hundewiesen an und fragte, ob sie deren Vierbeiner fotografieren dürfte. „Kaum einer hat damals nein gesagt, viele waren begeistert von der Idee der Dackelfotografie und so kamen ein Foto zum anderen, ein Dackel zum anderen und ein Kunde zum anderen. Es hat sich schnell herumgesprochen, dass da eine ist, die nur Dackel fotografiert, also fast nur“, meint Petra Spoerle-Strohmenger mit freudigem Gesichtsausdruck.

Der Anfang war gemacht. Die Fotos begeisterten die Dackelszene zwischen Murnau und Sylt, zwischen Aachen und Frankfurt, Berlin und Köln, aber auch die Medien wurden zunehmend auf die Frau, die „auf den Dackel gekommen“ ist, aufmerksam. „Die Krönung der Arbeit einer Fotografin ist natürlich, wenn ein großes Verlagshaus anruft und mit einem ein komplettes Buchprojekt realisieren möchte. So ein dickes, großformatiges Table Book mit Hochglanzbildern und mit mehr als 100 Seiten." „DER DACKEL" erschien dann 2015 und 2017 noch zusätzlich ein kleiner Geschenkband "Der kleine Dackel". Da war ich dann schon mächtig stolz auf mich.“

Hunde müssen spüren, dass man sie liebt

Einfach ist das mit der Dackelfotografie aber nicht, und man braucht schon besondere persönliche Eigenschaften, damit die Shootings auch so werden, wie Besitzer und Fotografin es sich wünschen. „Die Liebe zum Hund ist das Wichtigste. Hunde spüren das sofort und reagieren entsprechend. Man braucht aber auch jede Menge Geduld und Ruhe, eine gehörige Portion Gelassenheit und Empathie. Schließlich müssen Hund, Besitzer und Fotograf ja miteinander interagieren. Kommt Hektik auf, geht das Shooting garantiert in die Hose“, erklärt die Dackelfotografin.

Ein Dackelshooting dauert im Schnitt etwa 1 ½ Stunden, danach lässt die Konzentrations-fähigkeit der Hunde meistens spürbar nach. Viel mehr Zeit hingegen schlucken all die Vorbereitungen, die getroffen werden müssen. Die Gespräche mit den Besitzern über ihren Hund und seine Eigenarten, die Fragen, ob und welcher Hund sich eher portraitieren oder im Laufen fotografieren lässt, welches die fotogenen Seiten sind und welche Lokation am besten passt. Viele Fragen, bevor Petra Spoerle-Strohmenger das erste Mal auf den Auslöser drückt. Meistens liegt sie dabei auf dem Boden, damit Kamera und Objektiv auf Hundesaugenhöhe liegen. „Das ist manchmal ganz schön anstrengend, aber ungemein wichtig, dass du mit dem Hund auf einer Ebene bist “, gesteht sie.

Der Dackelknall

An jedes ihrer Shootings aus den mittlerweile zehn Jahren Hundefotografie kann sie sich gut erinnern, denn jeder Hund hat seine ganz eigene Persönlichkeit, der sie im Laufe eines Shootings immer recht nahe kommt. An ein Shooting kann sie sich ganz besonders gut erinnern, denn es hinterließ, zumindest für eine gewisse Zeit, bleibende Spuren. In der Regel laufen die Hunde auf sie zu, während sie am Boden liegt und fotografiert. „Die laufen dann links oder rechts an mir vorbei, aber dieser eine Dackel eben nicht. Er raste auf mich zu, blieb stur in der Spur und knallte dann mit voller Wucht in mein Objektiv. Er hatte sich natürlich höllisch erschrocken und war erst einmal total verdutzt. Mehr aber auch nicht. Ich hingegen trug drei Wochen lang ein blaues Auge und geschwollene Wangen mit mir herum. Das war mein erster Dackelknall“, so Petra-Spoerle-Strohmenger, die dieses Malheur noch heute so vor Augen hat, als wäre es erst gestern geschehen. Mittlerweile lebt und arbeitet die Fotografin mit ihren drei Dackeln Caruso, Carlson und Camill in Gauting, ihre Fotos stehen auf: www.Dackel-Hundefotos.de

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Stefan Volkamer
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