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Barocke Pracht und klösterliche Stille die Abtei Waldsassen

Die Geschichte der Zisterzienser-Abtei Waldsassen reicht bis in das 12. Jahrhundert zurück. Auch heute noch leben die Schwestern von Waldsassen dort treu dem Ideal der Regel ihres Heiligen Vaters Benedikt, in allem Gott zu suchen und „der Liebe zu Christus nichts vorzuziehen“.

Dass die Abtei Waldsassen zu dem werden konnte, was sie heute ist, verdankt sich der Arbeit und dem Einsatz der dortigen Schwestern. Insbesondere die Äbtissin M. Laetitia Fech hat mit viel Engagement und Verhandlungsgeschick zum erneuten Aufblühen der Abtei beigetragen.

Doch das Kloster mit seiner besonderen Atmosphäre ist auch ein geeigneter Ort für all jene, die Zeit und Ruhe finden wollen. Zeit zum Abschalten von der Hektik und Unruhe des Alltags. Zeit, um zu sich zu finden, Zeit zum Nach- und Vorausdenken, Zeit für Gedanken, die meist zur kurz kommen.

Zeit ist auch das, was sich die Schwestern dort nehmen. Zeit für andere, für sich und für Gott. »Wir haben leider nur eine Viertelstunde, dann beginnt das Stundengebet. Aber danach machen wir einen Rundgang.« Schwester Sophia ist eine der sechs Zisterzienserinnen der Abtei Waldsassen und unter anderem mit der Leitung des Gästehauses St. Joseph betraut.

Das Stundengebet, die Lectio (die Lesung), die Meditatio (die Meditation) und die Adoratio (das persönliche Gebet) bilden die Eckpfeiler des geistlichen Lebens der Schwestern in Waldsassen.

Eine Stunde später ist Schwester Sophia wieder zurück und nimmt sich »Zeit«, den Besucher über die Abtei und die Arbeit der dortigen Schwestern zu informieren.

Das Gästehaus St. Joseph steht allen Besuchern und Gästen offen. Es ist auf seine Weise komfortabel und modern eingerichtet. Gleichzeitig strahlt das Wechselspiel zwischen alter und neuer Architektur, wo früher Mönche gearbeitet, gebetet und geruht haben, die Stille klösterlicher Einkehr aus. Und die lokale, traditionelle Klosterküche lässt sich am besten unter dem wunderschönen Kreuzgewölbe des Thomasstüberls genießen.

Neben dem Gästehaus betreiben die Schwestern noch eine Mädchenrealschule und ein Kultur- und Begegnungszentrum mit einem Umweltzentrum und einem wunderschönen Kloster- und Naturerlebnisgarten.

Zudem liegt die Betreuung der weltberühmten Stiftsbibliothek der Abtei Waldsassen in den Händen des Konventes. Sie ist sowohl in künstlerischer als auch in inhaltlicher Hinsicht einmalig und zisterziensisch geprägt. Besonders bemerkenswert sind die lebensgroßen geschnitzten Holzfiguren von Karl Stilp und die Deckengemälde mit Themen ganz im Zeichen zisterziensischer Spiritualität.

Nicht zuletzt sind es die alten Bücher mit ihren ledernen Einbänden, die, wie einst beabsichtigt, den unvergesslichen Charakter des Raumes prägen.

Besonders, wenn das weiche Licht der späten Nachmittagssonne von Südwesten her durch die hohen Fenster der Stiftsbibliothek strahlt, beginnt der Raum auf besondere Weise zu leuchten. Fast scheint das Licht die Holzfiguren zum Leben zu erwecken und man spürt die einzigartige Aura dieses Ortes, der einem von seiner langen, durch Hingabe zu Gott geprägten Geschichte erzählt.

Die Umweltstation mit dem Kloster- und Naturerlebnisgarten widmet sich der Vermittlung eines verantwortungsbewussten Umgangs mit der Umwelt und den natürlichen Ressourcen. Hier soll die Schöpfung erlebt, verstanden und bewahrt werden.

Hier wird insbesondere biologische Vielfalt gelebt und erhalten. Sie umfasst die Tier- und Pflanzenarten, Mikroorganismen, die Lebensräume und die genetischen Unterschiede innerhalb der Art. Neben Workshops über gesundes Leben mit und von der Natur kann man hier auch eine Ausbildung zum zertifizierten Kräuterführer bzw. Kräuterführerin machen.

Neben einem Kräutergarten nach Hildegard von Bingen und einem Garten nach Pfarrer Sebastian Kneipp gibt es auch einen Bauerngarten und den Mariengarten.

Die gesamte Anlage mit ihren vielen Blüten, Obstbäumen und Kräutern vermittelt die Harmonie eines Lebens im Einklang mit der Natur und zeigt Wege auf, abseits von Verschwendung und Kommerz einen bewussten, nachhaltigen Umgang mit ihr zu finden.

Die Stiftsbasilika St. Johannes Evangelist gehört mittlerweile zur Pfarrei Waldsassen und ist eine der bedeutendsten und prächtigsten Barockkirchen Deutschlands.

Nach dem Dreißigjährigen Krieg war die Kirche einer der ersten wirklich anspruchsvollen Neubauten und – neben dem Passauer Dom – der damals größte Sakralbau Bayerns. Der Abt Martin Dallmayr (1612 - 1690) initiierte den Neubau und Abt Albert Hausner (1690 - 1710) konnte ihn vollenden. Beide gewannen dafür namhafte Künstler ihrer Zeit.

Ihr geniales Zusammenwirken schuf einen Kirchenraum von besonderer Harmonie und Ausstrahlung zur größeren Ehre Gottes und zur Freude der Menschen, die dort Gottesdienst feiern und diese Kirche besuchen.

Unweit des Klosters Waldsassen befindet sich einer der ungewöhnlichsten Kirchenbauten Deutschlands, die Wallfahrtskirche Kappl.

Der Ursprung der Rundkirche mit ihren drei markanten Zwiebeltürmen reicht bis in die Zeit der Entstehung des Klosters Waldsassen im 12. Jahrhundert zurück. Aber erst Ende des 17. Jahrhunderts erhielt die Kirche ihre jetzige Form.

Ganz früh am Morgen bei Sonnenaufgang entfaltet die Wallfahrtskirche Kappl ihre ganze, beinahe magische Ausstrahlung. Die Architektur der Kirche scheint in völliger Harmonie mit der umliegenden Landschaft und man spürt die Kraft und die Energie, die von diesem Ort ausgeht.