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13 Tage auf La Réunion Teil 2

There is a jungle out there (3)

Heute zieht es uns in den Talkessel von Salazie. Von den insgesamt drei Talkesseln der Insel soll er der mit der üppigsten Vegetation sein, gespickt mit Wasserfällen und allem, was dazugehört. Schon auf der Hinfahrt stellen wir fest, eine Fahrt dorthin sollte man nicht am Schluss der Reise, kurz vor dem Abflug machen. Könnte sein, dass die Natur kurzfristig andere Pläne hat und mittels Erdrutsch den Weg zuschüttet. Wir hatten Glück, mussten aber an einer Stelle eine Stunde warten, bis die Straße wieder frei geräumt war. Es könnte aber auch mal länger dauern, aber dorthin gehen sollte man auf jeden Fall. Wer sich das nicht traut, was schade wäre, kann ja mit dem Helikopter über das Tal schweben – ist auch spektakulär, aber unter einen Wasserfall stellen geht dann nicht.

Wir nehmen uns heute unseren „Unabhängigkeitstag“, das heißt, wir gehen ohne Reiseführer los, nur mit der Viewranger Offline-Karte auf dem Smartphone, parken unser Fahrzeug irgendwo in Hell-Bourg*, wandern ostwärts Richtung Regenwald und lassen den Zufall entscheiden was kommt. Und was kommt ist ein Wegweiser auf dem steht: Sentier Trois Cascades. Passt. Wenige Minuten später mutiert der Weg zu einem richtigen Dschungelpfad. Wir hatten keine Ahnung wie weit wir gehen müssen und was uns erwartet.

Das war mit Sicherheit eine Dschungelwanderung, die wir nie vergessen werden, auch wenn die Wasserfälle nicht so gewaltig waren, wie wir dachten, hat sich wieder mal bewahrheitet, der Weg ist das Ziel. Noch ein paar Worte zum Thema Sicherheit, wer hier im Regenwald unterwegs ist muss sich keine Sorgen machen, nur aufpassen, wohin er/sie tritt und sich sicher über Stock und Stein bewegen können. Gefährliche Tiere, wie Skorpione, Schlangen, Raubkatzen oder was auch immer, gibt es nicht. Nicht mal Blutegel in den Flüssen. Für Kinder ist der Regenwald ein riesiger Abenteuerspielplatz.

* Hell-Bourg, 930 Meter über dem Meeresspiegel, war zu Kolonialzeiten beliebter Naherholungsort der reichen Plantagenbesitzer und hohen Beamten aus St-Denis, viele hatten dort einen Zweitwohnsitz. Als einziges Dorf auf der Insel erhielt Hell-Bourg die Auszeichnung eines der schönsten Dörfer Frankreichs zu sein. Mit Unterstützung der Europäischen Union wurden etwa 26 der traditionellen kreolischen Villen restauriert, allein dafür lohnt es sich hierher zu kommen.

Auf der Rückfahrt zum Hotel halten wir immer wieder an und bestaunen herabstürzende Wassermassen.

Auf Tauchgang

Nicht wörtlich nehmen, wir sind nicht tauchen gegangen. In Saint-Gilles-Les-Bains, direkt am Meer, gibt es das „Aquarium de La Réunion“ und hier sind all die tollen Unterwasserfotos entstanden. Wer möchte da nicht gleich raus und draußen am Korallenriff tauchen?

Die Neugierige

Ich glaub, die hat mich zum Fressen gern, oder erzählt sie mir gerade was?

Wir ziehen um ins Le Nautile!

Die nächsten 5 Tage gastieren wir im Le Nautile Beach Hotel, mit 43 Zimmern ein eher kleines aber feines Hotel mit besonderer Atmosphäre. Es steht direkt am Strand der Lagune von L'Ermitage. Von unserem Zimmer haben wir direkten Blick aufs Meer, aber unseren Sundowner nehmen wir lieber am Strand. Schon der Weg vom Hotel dorthin hat was.

Und wieder ein Faulenzertag!

Oh Cocktail in the Sun

Auf dem Markt von Saint-Pierre (4)

Samstags ist Markttag in Saint-Pierre. Von L'Ermitage les-Bains dorthin zu kommen dauert – über die Schnellstraße – gerade mal 35 Minuten, mindestens genauso viel Zeit braucht man dann für die Parkplatzsuche. Es ist eben Markttag und alle wollen hin. Hat man seinen Fahrstil an den der Locals anpasst, ist das alles kein Problem. Wer das nicht kann, bekommt sicherlich den ein oder anderen Schweißausbruch. Am Ende der Reise – bei der Fahrzeugrückgabe – ist dann schnell zu erkennen, ob der Anpassungsprozess von Erfolg gekrönt war oder nicht.

So ein frisch gepresster Zuckerrohrsaft ist schon was Feines oder lieber ein Fruchtcocktail aus dem Saft von Ananas, Mango oder Granatapfel? Oder ein Mittelchen gegen alles? Gegen Stress, gegen Angst, gegen Müdigkeit, oder als Aphrodisiakum? Dann bei Bois Maman zugreifen. Bois de maman, auch Korkholz, Hammerholz, Haiholz ​​und Gailletholz genannt, wächst in feuchten Wäldern von 600 bis 1400 Metern Höhe und gibt es nur auf La Réunion. Einfach einen Tee damit aufbrühen und – ups, da fällt mir ein, wir haben etwas davon mitgenommen – aber noch nicht ausprobiert.

Alles dreht sich um Rum

In Saint-Pierre ist auch die älteste Rum Brennerei der Insel – Isautier – beheimatet. 1845 gegründet und nach wie vor ein Familienbetrieb. Isautier betreibt auch das einzige Rum-Museum der Insel:

Saga du Rhum

Gibt es einen besseren Ort mehr über Rum zu erfahren als hier? Wohl kaum. Im Museum Saga du Rhum wird die ganze Geschichte des Rums auf La Réunion greifbar dokumentiert: historisch, kulturell und technisch und ganz am Ende der Besichtigung dürfen Besucher den ein oder anderen Tropfen probieren, natürlich nur die Erwachsenen unter ihnen und die, die nicht Auto fahren. Ich hab meine Pröbchen mitnehmen können. Darauf zu verzichten wäre ja ein Sakrileg. Wer von uns weiß schon über die traditionelle Produktion von Rum Bescheid? Reiseberichte, Memoiren und offizielle Dokumente werden gezeigt und hintergründiges offen gelegt. Zum Beispiel, dass 1700 und irgendwas die East India Company, die die Insel sofort nach ihrer Inbesitznahme verwaltete, das Interesse am Zuckerrohr verlor zugunsten von Kaffee. Dadurch verlangsamte sich die lokale Produktion von Alkohol und die Insulaner, die schlecht mit Brandy versorgt wurden, produzierten dann ihren eigenen Rohrwein. Ja, wer mehr über die Geschichte des Rums erfahren will, sollte nach der Pandemie dem Museum unbedingt einen Besuch abstatten.

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Credits:

Fotos © Herbert Worm