Im Juni 2018 spaltete sich die FEG Männedorf/Uetikon. Die Gründe waren vielschichtig und nicht zuletzt durch persönliche Meinungen und Ansichten geprägt. Ein Miteinander schien nicht mehr möglich, und so trennten sich die Wege.
Stefan Kunz, Gemeindeleiter FEG Männedorf/Uetikon, stefan.kunz@feg-uetikon.ch und Mathis Sieber, Leiter von precious, mathis.sieber@precious.ch
Mathis und Silke Sieber, bis dahin Pastoren der Gemeinde, entschieden sich zwei Monate später mit einer Gruppe von Menschen nach längeren Erwägungen und Gesprächen eine neue Gemeinde zu gründen. Das Kirchengründungsprojekt «precious» entsteht und erfragt und erhält den Freundesstatus der FEG Schweiz.
Trennung verunsichert
Die Trennung hinterliess Wunden und Verletzungen. Bei den Gemeindemitgliedern der betroffenen Gemeinden kam es zu Fragen, ob und wie man miteinander nun umgehen soll. Auch andere Gemeinden in der Region waren verunsichert. Und nicht zuletzt litt darunter unsere Wirkung nach aussen und warf auch Wellen in die FEG-Schweiz-Landschaft.
Es gab zwei Möglichkeiten, aus dieser Situation herauszukommen: Die erste und scheinbar bequemste wäre gewesen: sich dem Irrtum hingeben, dass Zeit Wunden heilt. Die Alternative hiesse: Sich bewusst in Gottes Licht stellen, in den sauren Apfel beissen und den Versöhnungsweg wagen. Zeit half dabei – und die Besinnung, dass wir einen Gott der Versöhnung und Gnade haben.
Prozess der Vergebung
Als Gemeindeleitungen vom precious und der FEG Männedorf-Uetikon haben wir uns Mitte 2021 mit Unterstützung von Reiner Bamberger (verantwortlich für Schulung und Beratung in der FEG Schweiz) für die zweite Option entschieden. Es war kein einfacher Prozess, hinzusehen und die eigenen Verfehlungen und die Schuld an der Trennung einzugestehen. Es brauchte persönliche Vorbereitungsgespräche und viel Gebet.
In all den Vorbereitungen wurden wir uns insbesondere auch der Schuld vor Gott bewusst: Entgegen unserer Bitte im «Vater Unser» haben wir Seinen Namen nicht geheiligt, sondern beschmutzt. Auch das Erkennungszeichen der Einheit aus dem hohepriesterlichen Gebet in Johannes 17,21 haben wir gebrochen. Aus dieser Erkenntnis wagten wir den Versöhnungsanlass, denn es wurde klar, dass es diesen Schritt auch für unsere Glaubwürdigkeit als Gemeinden braucht.
Schliesslich trafen sich beide Gemeinden gemeinsam mit Reiner Bamberger am 14. Mai 2022 am Ort des ehemaligen Geschehens. Uns war wichtig, dass sich jeder seiner Anteile – Verletzungen, Versäumnisse, Fehler – bewusst wird und sich im Plenum dazu stellt. Viele bekannten ihre Schuld und baten um Vergebung. Unsere Pastoren, Mathis Sieber und Rolf Schuiver, leiteten als Abschluss des mehrstündigen Anlasses die gemeinsame Abendmahlsfeier und wir empfingen Vergebung von unserem grossen Gott im Himmel und segneten einander als zwei Gemeinden.
Befreit und gesegnet durften wir gemeinsam auf- und durchatmen. Unsere Erwartungen wurden übertroffen. Der Schritt aufs Wasser hatte sich wirklich gelohnt und die emotionalen Wellen legten sich.
Auswirkungen der Versöhnung
Die Auswirkungen dieser Versöhnung wurden auch in den Beziehungen nach aussen sichtbar. Von anderen (Kirch-)Gemeinden wurde diese Versöhnung mit viel Freude aufgenommen. Wenn jemand kommt und sagt: «Ihr hattet doch eine Spaltung?!», dann können wir nun auf den Versöhnungstag hinweisen und so dem Tratsch und der Schuldzuweisung den Wind aus den Segeln nehmen.
Auch wenn «Versöhnung» nicht heisst, dass man als Gemeinden wieder fusioniert, ist die Einheit in der Liebe zu Christus wieder hergestellt und darf so als Zeugnis nach aussen leuchten. Wir wollen als FEG-Gemeinden am selben Ort mit unseren unterschiedlichen Begabungen unseren Dörfern dienen.
Statements
Sarah Hepp
Ich bin froh, dass wir diesen Anlass durchgemacht haben. Wir haben hin- und nicht weggeschaut und so dürfen wir wieder unbelastet vorausschauen.
Andreas Neukom
Am Versöhnungsevent fragte mich Gott einmal mehr: «Hast du mich lieb?« – Wir weinten. Natürlich haben wir Gott lieb. Wir alle. Aber hier auf Erden ist es manchmal schwierig. Im Himmel geht's dann schon. Aber fürs Erste hatten wir an diesem Vormittag einen kleinen Vorgeschmack.
Rosmarie Hepp
Die Offenheit und die gegenseitige Wertschätzung an diesem Anlass hat mich sehr berührt und beeindruckt.
Esther Pfiffner
Obwohl ich mich bereits vor diesem Anlass in persönlichen Gesprächen versöhnt hatte, war ich an diesem Morgen anwesend. Die Bereitschaft, offen und ehrlich aufeinander zuzugeben, hat mich gefreut und beeindruckt.