PRISKA WALLIMANN (INFOGRAFIK UND TEXT)
Schwarz maskiert wie Zorro huscht der kleine Nager durch die Nacht. Wilde Wälder und naturnahe Landschaften sind sein ursprünglicher Lebensraum.
Kurz vor Mitternacht, wenn es dunkel, aber noch einigermassen warm ist, läuft der Gartenschläfer zur Höchstform auf. Mit seinen grossen, schwarzen Augen, den langen Tasthaaren und dem ausgezeichneten Gehör ist er perfekt an das nächtliche Leben angepasst. Das ist jedoch nur ein Grund, weshalb wir ihn kaum zu sehen bekommen. Aus weiten Teilen seines Lebensraums in Europa ist er bereits verschwunden, auch in der Schweiz ist er selten geworden.
Schwindender Lebensraum
Seine bevorzugte Heimat ist ursprünglicherWald mit Totholz, Baumhöhlen, Büschen und felsigen Abschnitten. Solche ursprünglichen Wälder sind in der Schweiz rar geworden. Bis vor wenigen Jahrzehnten fand der Gartenschläfer einen Ersatzlebensraum in vielfältigen Landschaften mit Obstgärten, Hecken und zugänglichen Scheunen. Doch die zunehmend intensive Nutzung in der Landwirtschaft lässt immer weniger Platz für den kleinen Bruder des Siebenschläfers übrig. Deswegen wählt Pro Natura den kleinen Bilch als Tier des Jahres 2022 und wirbt für mehr Diversität in unserer Natur und Umwelt.
Am liebsten im Wald
Gartenschläfer bevorzugen die verschiedensten Waldtypen von den Laubwäldern der Ebenen bis hinauf zu den Legföhrengebüschen an der Waldgrenze. Ihre Ausbreitung geht jedoch stark zurück.
Vielfältiger Speiseplan
Gartenschläfer sind Allesfresser. Sie jagen vor allem Insekten, Würmer und Schnecken, manchmal auch Frösche und Eidechsen oder junge Vögel. Früchte, Nüsse, Samen und Knollen ergänzen vor allem gegen Ende des Sommers die Palette. Es gilt, die Fettreserven für den nächsten Winter anzulegen. Die Nager sind ihrerseits ein beliebter Happen bei Jägern wie Waldkauz, Fuchs, Marder oder Wildkatze. Wird er von einem Fressfeind am Schwanz gepackt, wirft er ihn ab und rettet so sein Leben.
Quirliges Nachtleben
Ihre nächtlichen Aktivitäten verbringen Gartenschläfer in der Regel alleine. Sie sind ausgezeichnete Kletterer und besitzen dementsprechende Anpassungen, wie kräftige Gliedmassen und grosse Sohlenschwielen. Im Gegensatz zu anderen Bilchen verbringen Gartenschläfer aber auch viel Zeit am Boden.
Die Familie der Bilche
Vier Arten von Schlafmäusen leben in der Schweiz. Der bekannteste ist der Siebenschläfer, der grosse Bruder des Gartenschläfers.
Unerwartete Verwandschaft
Der Gartenschläfer gehört zur Familie der Bilche (Schlafmäuse). Anders als man denken könnte, ist er näher mit dem Eichhörnchen verwandt als mit Mäusen.
Mit viel Schlaf durchs Jahr
Ende Oktober zieht sich der Gartenschläfer in sein kugeliges Nest aus Moos, Gras, Federn und Haaren zurück. Mit eingerolltem Schwanz und zurückgeklappten Ohren verbringt er die nächsten fünf Monate im Winterschlaf. Während dieser Zeit sinkt seine Körpertemperatur beinahe bis zum Gefrierpunkt, Atmung und Herzschlag verlangsamen sich massiv. Bis zum Erwachen im Frühjahr verlieren die Tiere 40 bis 50 Prozent ihres Körpergewichts.
Sobald die kleinen Nager Anfang April erwachen, gehts hoch zu und her. Mit Pfeifen signalisieren die Weibchen ihre Paarungsbereitschaft. Nach drei Wochen Tragezeit kommen im Mai bis Juli vier bis sechs Junge zur Welt. Die Aufzucht ist Sache der Mutter, nach rund 40 Tagen sind die Jungen selbständig.
Quellen: Pro Natura, Info Fauna CCO/KOF – Swisstopo
Credits:
Priska Wallimann, Blick Grafik, Getty Images