Die Kapverdischen Inseln liegen etwa 460 Kilometer vor der afrikanischen Westküste und bestehen aus 15 Inseln, von denen neun bewohnt sind. Sie punkten mit einer spektakulären Natur und einem ganz besonderen Lebensgefühl. Jede Insel verzaubert jedoch mit ihrem eigenen Charakter.
Ich habe die drei nördlichen Inseln Sao Vicente, Santo Antao und Boa Vista besichtigt.
Sao Vicente
Das Leben auf der Insel spielt sich in Mindelo, der zweitgrößten Stadt der Kap Verde, ab. Der Hafen war einst eine wichtige Versorgungsstation für die Transatlantikrouten. Heute dient er als Anlegepunkt für Kreuzfahrtschiffe.
Die quirlige Hafenstadt ist die Kulturmetropole der Kapverden. Sie ist der Geburtsort vieler populärer Musiker, wie Cesária Évora und der Ursprung von Kunst und Kultur auf den Inseln.
Santo Antao
Die zweitgrößte Kapverdische Insel trägt den passenden Beinamen „Insel der Berge“. Sie ist geprägt von Gebirgsland-schaften mit tief eingeschnittenen Erosionstälern im Norden und im Süden mit etwas flacher auslaufenden Vulkanhängen. Die höchste Erhebung ist der Tope de Coroa mit 1.979 m.
Das Ribera do Paúl im Norden ist ein sechs Kilometer langer Talabschnitt. Überwindet man 1000 Höhenmeter blickt man in den Einsturzkrater Cova do Paúl. In dem äußerst fruchtbaren Tal wächst alles, was die Natur zu bieten hat: Mango, Papaya, Bananen, Avocado und Zuckerrohr, aus dem Rum hergestellt wird. Auf kreolisch nennt man den Zuckerrohrschnaps “Grogue”.
Ein weiteres fruchtbares Seitental ist das Ribeira da Torre.
Man sagt, die Küstenwanderung von Cruzinha nach Ponta do Sol sei die Schönste der Welt. Der 15 Kilometer lange, alte Eselspfad führt spektakulär durch die senkrechten Felsen.
Der tosenden Brandung manchmal näher, dann wieder etwas weiter entfernt, bezwingt man in der Summe etwa 850 Höhenmeter.
Im Ort Covo passiert man ein wunderschönes Tal, das sich ins Landesinnere der Insel schlängelt. Die gigantischen Berge, zerklüfteten Hänge und abgrundtiefe Schluchten betrachtet man vom Dorf aus der Froschperspektive.
Das schönste Dorf der Insel heißt Fontailhas.
Es thront wie ein Adlerhorst auf dem schmalen Felsen, bevor man in der nächsten Kurve das Ende erblickt: Ponta do Sol
Eine wahre Geschichte
Als ich meine letzte Unterkunft in der Nähe von Cruzinha suchte, war die Zufahrt vollkommen mit parkenden Autos und Menschenmassen versperrt. Ein Weiterkommen war völlig unmöglich, also parkte ich mein Auto und mischte mich unter die Einheimischen. Noch bevor ich den Friedhof sah, wurde mir aufgrund der traurigen, betretenen Gesichter schnell klar, dass der Anlass eine Beerdigung sein musste.
Die Tragödie ereignete sich eine Woche zuvor. Zwei junge Männer fuhren gemeinsam zum Fischen auf das offene Meer hinaus. Als einer beim Tauchen in Not geriet, wollte ihm der andere zu Hilfe eilen. Schlußendlich ertranken beide.
Nur zu oft kann das Schicksal völlig unerwartet und gnadenlos zuschlagen, und die Hinterbliebenen fassungslos vor absolut neue Lebenssituationen stellen. In diesem Fall trauerten gleich zwei Dörfer um diese jungen Fischer, die der tosende Atlantik im wahrsten Sinne des Wortes verschluckt hatte.
Die letzte Ruhe fanden beide nebeneinander auf diesem Friedhof.
Santo Antao wurde vom Feuer geschaffen, vom Wind gestreichelt und vom Meer geküsst.
Nicht umsonst ist die Natur dermaßen atemberaubend, dass man das Gefühl hat, sich nicht satt sehen zu können. Auf der einen Seite sind die Landschaften nicht nur karg, sondern regelrecht lebensfeindlich, während sie zugleich grün, fruchtbar und üppig auf der anderen Seite sind.
Die Kapverdischen Inseln entwickelten mit der ersten Generation der Kreolen, die Kinder weißer Siedler und schwarzer Sklaven, ihre eigene Identität. Es entstand ein bunter Mix der Traditionen, Sitten und Bräuchen.
Nach 500 Jahren unter der portugiesischer Flagge wurde Kap Verde 1975 unabhängig. Das Archipel ist heute eine eigene Welt zwischen Afrika und Europa.
Boa Vista
Die drittgrößte Insel wird auch als “die Perle” der Kapverden bezeichnet. Die Wüsteninsel hat von allen Inseln die schönsten und längsten Sandstrände und befindet sich dem afrikanischen Festland am nächsten. Sie ist bis auf einige verwitterte Vulkanschlote und gebirgige Steinwüsten im Inselinneren zumeist flach.
Am 1. September 1968 lief das spanische Frachtschiff Cabo Santo Maria vor der nördlichen Küste von Boa Vista auf Grund. Es war auf dem Weg nach Südamerika und mit 1.720 Tonnen Handelswaren beladen. Der Frachter zählte damals zu den größten Frachtschiffen.
Der vor sich hin rostende Schiffswrack ist zu einem Symbol für die Insel geworden.
Das Wrack ist aufgrund der Korrosion, Wellenschläge und Verwitterung bei verschiedenen Stürmen über die Jahrzehnte immer mehr verfallen. Es ist eine Frage der Zeit bis es vollständig im Meer verschwindet.
Der Mix der Kulturen und Lebensweisen spiegelt sich im Erscheinungsbild des Archipels wieder. Auffallend sind die pastellfarbene Häuser, die perfekt mit dem tiefblauen Atlantik, dem satten Tropengrün, sowie mit allen Nuancen der Erdtöne harmonieren.
Bei uns parkt man das Auto vor dem Haus. In Sal Rei, dem Hauptort von Boa Vista, findet man oft Boote unmittelbar vor der Haustür.