Rico Bossard
Seit einigen Jahren setze ich mich als Leiter des VBG-Fachkreises Pädagogik zum einen dafür ein, dass an den Volksschulen auch die christliche Religion vermittelt wird. Zum anderen engagiere ich mich dafür, aufzuzeigen, dass der christliche Glaube eine Quelle für kompetentes Unterrichten ist.
Religiöse Bildung – religiöses Gehör
Im Lehrplan 21 (www.lehrplan21.ch – Fachbereich Natur, Mensch, Gesellschaft NMG), der für alle Volksschulen der Deutschschweiz als Teil der gesetzlichen Grundlage für die schulische Bildung steht, ist festgehalten, dass die Schülerinnen und Schüler biblische Geschichten kennen, ja sogar nacherzählen können sollten (LP21 – NMG 12.2 1a). Es gibt noch weitere Kompetenzen, welche zu erreichen wären. Unsere Tochter hat jedoch in ihren ersten drei Schuljahren nie etwas von diesen Inhalten erfahren. Für ihre Bildung ist das nicht entscheidend, denn sie erfährt durch unsere Familie und unsere Beteiligung in einer christlichen Gemeinde davon. Es war aber seit jeher das Ziel der Bildung, die durch den Staat garantiert wird, dass alle Schüler und Schülerinnen an den gleichen Inhalten und Kompetenzen vorbeikommen. Sie zeigen, was wir als Gesellschaft für die zukünftige Generation für unser Miteinander als grundlegend ansehen. Wenn also Religion nicht unterrichtet wird, dann wird hier ein Recht der Kinder und Jugendlichen beschnitten, was Auswirkungen auf die gesamte Gesellschaft haben wird. Bildung will bei den Kindern nicht nur ein musikalisches Gehör entwickeln, sondern auch ein religiöses Gehör. In dieser Zielsetzung des Lehrplans 21 wird deutlich, dass Religion keine reine Privatsache ist. Sie soll im öffentlichen Raum der Schule diskutiert werden. Im Lehrplan wird das wie folgt festgehalten: «In einer pluralistischen und demokratischen Gesellschaft gilt es, eine eigene Identität zu finden, Toleranz zu üben und zu einem respektvollen Zusammenleben beizutragen. Dazu denken Schülerinnen und Schüler über menschliche Grunderfahrungen nach und gewinnen ein Verständnis für Wertvorstellungen und ethische Grundsätze. Sie begegnen religiösen Traditionen und Vorstellungen und lernen mit weltanschaulicher Vielfalt und kulturellem Erbe respektvoll und selbstbewusst umzugehen. Dies trägt zur Toleranz und Anerkennung von religiösen und säkularen Lebensweisen und damit zur Glaubens- und Gewissensfreiheit in der demokratischen Gesellschaft bei» (LP21 – Fachbereich NMG – Bedeutung und Zielsetzung.)
Ziel der Bildung ist, dass alle Schlüler und Schlülerinnen an den gleichen Inhalten und Kompetenzen vorbeikommen.
Anknüpfungen finden
Nach meiner Einschätzung sind sich in den Lehrer-Kollegien die wenigsten gewohnt, über die grossen Fragen unseres Menschseins, des eigenen Weltbildes und Glaubens auszutauschen. Da setzt mein Auftrag an. Als Christen und Christinnen sollten wir die Ansatzpunkte sehen lernen, wo der Glaube sich mit dem Handeln im Beruf verbindet. Ich werbe an meiner Schule dafür, dass es wertvoll ist, sich in diesen Fragen auszutauschen, im Gespräch zu sein. Ich zeige auf, warum die Vermittlung von Inhalten des christlichen Glaubens auch heute noch wichtig ist für die Bildung der Kinder. Diese Anknüpfungen zu finden ist aus meiner Sicht in allen Berufsgattungen ein Auftrag an die Christen und Christinnen. Darin verbinden wir den Glauben mit dem Beruf.
Durchdringen
Das Recht auf Religionsfreiheit, wie es in der Bundesverfassung, in der UN-Menschrechtskonvention und in der Europäischen Menschenrechtskonvention festgehalten ist, formuliert, dass Religion alle Lebensbereiche durchdringen darf. Es ist also ein umfassendes Freiheitsrecht. Religion ist keine reine Privatsache und leitet mich in den Fragen aller meiner Lebensbereiche.
Begründen
Meinem pädagogischen Handeln liegt ein bedachtes und formuliertes christliches Menschenbild zu Grunde. Daraus ergeben sich die Werte, die mich in der Begleitung des Einzelnen und der Klasse leiten. Ich begründe damit meine Entscheidungen, wie zum Beispiel bei der Formulierung der Klassenregeln, in der Wahl der didaktischen Instrumente. Nicht gläubige Kolleginnen oder Kollegen können zu den gleichen Ergebnissen kommen, vielleicht auch mit einer durchdachten Begründung. Ich mache sichtbar, dass der Glaube mich in professioneller Hinsicht leitet. Durch den Dialog wird offensichtlich, dass jede Weltanschauung prägend einwirkt. Nur wer bedacht ist, ist auch respektvoll und sorgfältig gegenüber dem Recht des Gegenübers.
Ein Profi sein
Beim Wort «Profi» kommen mir Sportler in den Sinn, die ihr Hobby zum Beruf gemacht haben. Am Anfang ihres Weges stand bei den meisten wohl viel Leidenschaft und Freude, doch sicher gab es im Verlauf der Zeit nicht nur Höhen, sondern auch Tiefen.
Mit dem Glauben ist es auch so. Er prägt unsere Freizeit, insbesondere den Sonntag – aber auch unseren Alltag. Vor den versammelten Gelehrten und Studierten auf dem Areopag bekennt Paulus, dass der Glaube an Gott das ganze Leben durchzieht (Apostelgeschichte 17,28): «Denn in Ihm leben, weben und sind wir.» Das fängt beim alltäglichen Gebet mitten in meiner Arbeit an und geht noch viel weiter: Das Evangelium will mein ganzes berufliches Handeln und Denken durchdringen. Es prägt und lenkt meine Entscheidungen. Es ist wunderbar, wenn Vergebung im Lernen Platz findet, wenn vor allem Leisten der Wert des Menschen steht, weil Gott ihn als Sein Gegenüber geschaffen hat; wenn sich mein Horizont durch die Perspektive Gottes auf meine Aufgabe weitet; wenn ich Zuversicht finde, weil Gott heute noch handelt; wenn ich schwierige Situationen mit Kindern und Erwachsenen dem Anfänger und Vollender anvertrauen darf. Das ist eine fantastische Grundlage für professionelles Schaffen.
Das Evangelium ist eine fantastische Grundlage für professionelles Schaffen.
Der Beruf ist meine Profession. Dieses Wort stammt vom lateinischen professio, «öffentliches Bekenntnis». Das wünsche ich mir für mein professionelles Handeln: Dass dadurch ein Bekenntnis fürs Evangelium sicht- und hörbar wird. Das ist keine Aufgabe nur für Einzelpersonen. Die Herde der Glaubenden gibt mir Mut, Kraft, Inspiration, Richtung.
Ich denke, wir sind zu Profis berufen !
Das wünsche ich mir für mein professionelles Handeln: Dass dadurch ein Bekenntnis fürs Evangelium sicht- und hörbar wird.