Porträt
Roman di Francesco, Sie sind Geschäftsleitungsmitglied von w hoch 2. Was sind die Kernkompetenzen Ihres Auswertungsinstituts?
Wir bieten empirisch fundierte und praxisrelevante Antworten durch massgeschneiderte Forschung. Für Kunden in allen Sprachregionen machen wir wissenschaftliche Methoden in der Praxis anwendbar. Wir verfügen über Know-how aus den Disziplinen Psychologie, Soziologie, Politologie, Ökonomie und Informatik. Neben nationalen Evaluationen verbinden wir quantitative und qualitative Befragungen mit Data Science und technologischer Innovation. Dabei stehen das menschliche Erleben und Verhalten immer im Zentrum. Ich denke, diese Kombination und die Entwicklung eigener Software macht uns einzigartig.
Welches sind Ihre Spezialgebiete? Und was motiviert Sie an Ihrer Arbeit besonders?
Meine Spezialgebiete sind die Qualitätsmessungen im Gesundheitswesen sowie die Data-Science-Projekte und die Marktforschung. Ich finde es äusserst motivierend, dass meine Arbeit einen konkreten Impact hat. Unsere Analysen im Rahmen des ANQ-Mandats wirken sich direkt auf die Qualität und die Behandlungen in Spitälern und Kliniken aus. Was mich ebenfalls anspornt: Im Team ziehen wir alle am gleichen Strick, wir teilen die Begeisterung für unsere Arbeit.
Welche Aufgaben erfüllt w hoch 2 für den ANQ?
w hoch 2 ist seit 2016 für den ANQ tätig. Die Messungen der Symptombelastung und der Freiheitsbeschränkenden Massnahmen in der Psychiatrie sind unsere «Urprojekte». Dann kam die Messlogistik für die Messung der Patientenzufriedenheit in der Akutsomatik, der Erwachsenenpsychiatrie und der Rehabilitation hinzu. Seit 2021 dürfen wir den ANQ auch bei den Pilotmessungen in der intermediären klinikambulanten Psychiatrie und bei der Zufriedenheitsmessung in der Kinder- und Jugendpsychiatrie begleiten. Die Aufgaben sind sehr vielfältig und reichen vom Support der Spitäler und Kliniken über die Datensammlung, -prüfung und -auswertung bis zum Verfassen von Ergebnisberichten.
Wie sieht die Zusammenarbeit mit dem ANQ aus?
Unsere Zusammenarbeit ist ein persönliches, unkompliziertes und flexibles Miteinander. Wir stehen mit fast allen Mitarbeitenden der ANQ-Geschäftsstelle in Kontakt. Seit 2017 darf ich zudem den QA Psychiatrie in methodischen und statistischen Fragen beraten. Ich empfinde den engen Austausch mit den Koryphäen der Schweizer Psychiatriewelt als Privileg und schätze die wertvollen Inputs.
Das Dashboard moniQ ist eine Entwicklung Ihres Teams. Was bringt moniQ?
moniQ erlaubt den Psychiatriekliniken, ihre Messdaten ganzjährig zu überprüfen und diese online an uns zu übermitteln. Ziel war, den Aufwand für die Kliniken zu reduzieren und gleichzeitig die Qualität der Daten zu steigern. Früher hatten die Kliniken nur ein begrenztes Zeitfenster, um Datenmängel festzustellen. Für die Fehlerbehebung war es dann meist zu spät. Heute können sie bei Problemen frühzeitig reagieren. Die Datenqualität hat sich dadurch drastisch verbessert. In der Psychiatrie wird bald noch mehr mit moniQ möglich sein.
Wie unterstützen Sie die Kliniken rund um die Qualitätsmessungen sonst noch?
Seit 2021 können die Psychiatriekliniken Zusatzauswertungen bei uns beziehen. Wir haben dieses Angebot zusammen mit dem ANQ kreiert. Der ANQ hat ein grosses Interesse daran, dass die Messdaten bestmöglich für die Qualitätsentwicklung genutzt werden. Unabhängig vom ANQ bieten wir den Kliniken zudem ein digitales Tool, über das die Symptombelastung aus Sicht der Patientinnen und Patienten sowie aus Sicht der Behandelnden online erfasst werden kann.
Sie erarbeiten für den ANQ auch Grundlagen für die Weiterentwicklung der Messungen. Welche Analysen erstellten Sie 2021?
Zu Kurzaufenthalten in der stationären Psychiatrie wurde eine Analyse vorgenommen, die zeigte, dass sich die Erhebung der Symptombelastung bereits ab einer Aufenthaltsdauer von 24 Stunden bewährt. Dazu wurde auch ein wissenschaftlicher Artikel verfasst. Forschen konnten wir zudem für die ANQ-Expertengruppe Alterspsychiatrie. Dabei ging es um die Frage, wie sich die Symptombelastung bei urteilsunfähigen Patientinnen und Patienten messen lässt. Solche Fragestellungen scheinen mir enorm wichtig. Hier einen Beitrag leisten zu dürfen, bedeutet mir sehr viel.
Roman di Francesco, M.Sc. in Psychology, hat an der Universität Bern Psychologie studiert. Nach seinem Masterabschluss arbeitete er in der Marktforschung und später im Bereich der Data Science. Er doziert an verschiedenen Hochschulen zu den Themen Psychologie, Data Science und Marktforschung. Seit 2016 ist er bei w hoch 2 tätig. Als Mitglied der Geschäftsleitung ist er für komplexe Forschungs- und Analyseprojekte sowie die Entwicklung innovativer Softwarelösungen verantwortlich.
Fotos: © Geri Krischker / ANQ