Heute ist unser letzter Tag in Jerusalem. Somit möchten wir noch einmal die Eindrücke vertiefen und weitere Details aufnehmen.
Wir nutzen die Stille in der Stadt, um die besuchten Orte nochmals aus einer anderen Perspektive zu sehen und teilen uns in zwei Gruppen auf. Eine Gruppe möchte das Stillleben der Straßen und die Juden auf dem Weg zur Synagoge dokumentieren, die andere Gruppe wählt den Weg außerhalb der Stadtmauern bis hin zum Teich Bethesda. Dort, wo vor einem Tag noch Menschenmassen waren, ist es ruhig. Es sind so gut wie keine Autos auf der Straße.
Wir stehen am Fuße des Ölbergs. Vor unserem geistigen Auge spielt sich noch einmal die Geschichte Jesu ab wie er für uns gestorben ist. Während wir darüber nachsinnen, betreten wir die Via Dolorosa über das Löwentor.
Wir erreichen den Ort Bethesda und können die Ruinen der Säulenhallen am ehemaligen Teich Bethesda anschauen. Hier heilte Jesus den Mann, der 38 Jahre auf Heilung wartete.
„Jesus spricht zu ihm: Stehe auf, nimm dein Bett und gehe hin! Und alsbald ward der Mensch gesund und nahm sein Bett und ging hin. Es war aber desselben Tages der Sabbat.“ Johannes 5,8-9
Jesus heilte viele Kranke. Er machte sie frei von den körperlichen Beschwerden. Was aber noch viel wichtiger ist: Er befreite sie von der Schuld. Wir haben eine Anleitung für den Weg der Vergebung. In Johannes 1,9 steht: „So wir aber unsre Sünden bekennen, so ist er treu und gerecht, daß er uns die Sünden vergibt und reinigt uns von aller Ungerechtigkeit.“
Wir gehen ein weiteres Stück über die Via Dolorosa bis hin zur Klagemauer. In Gedanken und Gebet sind wir bei dem auserwählten Volk, das gerade zu dieser Zeit um Vergebung ringt. Wir mischen uns noch mal unter die betenden Juden. Wie gerne würden wir ihnen sagen, wo Vergebung zu finden ist.
Die Stadt ist in Stille gehüllt. Während wir durch die Gassen gehen, bemerken wir den andächtigen Ernst im Gesicht der vorbeigehenden Juden. Das Fest endet mit der Dunkelheit.
Mit vielen Eindrücken der letzten Tage begeben wir uns auf den Weg in den Norden Israels. Wir merken, wie sich die Straßen wieder merklich füllen.
Angekommen. Hier in Shavei Zion ist unsere Unterkunft „Beth El“ für die restliche Zeit. Dies ist ein Gästehaus für Juden, die den Holocaust überlebt haben. Es gibt eine Warteliste über mehrere Jahre. Da es derzeit leider zu wenig Volontäre (Freiwillige) gibt, kann das Gästehaus für Holocaust-Überlebende im Moment nicht genutzt werden.
Wir machen einen Rundgang auf dem Hof. Dabei hören wir die Geschichte von dem Tag, als 2013 hier eine Rakete eingeschlagen ist. Da das Gebiet nah an der Grenze zum Libanon gelegen ist, braucht man hier Schutzräume und Bunker für den Notfall. Judith, die uns in Empfang nimmt, sagt: „Wenn ein Signal ertönen sollte, hat man maximal 30 Sekunden Zeit, um zum Schutzraum zu gelangen.“ Wir schauen uns verduzt an. Gut, dass die Lage hier derzeit entspannt ist und es sehr selten zum Alarm kommt.
Hier in Beth El ist es sehr ruhig. Man hört die Grillen zirpen und das Meer rauschen. Wir sind glücklich, dass wir hier sein dürfen und freuen uns auf die nächsten Tage.