Die Welt ist mobil
51 Millionen Deutsche besitzen ein Smartphone, 45 Millionen nutzen das Internet täglich und das bis zu 160 Minuten jeden Tag. Das Smartphone hat den PC als primäres Gerät, um das Internet zu nutzen, abgelöst.
Diese Veränderungen im Nutzerverhalten haben natürlich auch Einfluss auf die Personalabteilungen in den Unternehmen und es gilt, zukunftsfähige Konzepte für das Mobile Recruiting zu entwickeln.
Verändertes Kommunikationsverhalten
Das Kommunikationsverhalten und die Auswahl der dazugehörigen Medien ändert sich auch bei den Deutschen grundlegend. Wohin die Reise zukünftig geht, zeigt die Altergruppe der 14- bis 29-Jährigen.
Die Nutzung von Sprachtelefonie geht weiter zurück und auch Email wird seltener eingesetzt. Beides wird mit Messengern ersetzt, die sowohl eine sprach- als auch textbasierte Kommunikation ermöglichen. Je nach Bedarf kann es eine One-to-One- oder Gruppen-Kommunikation sein. Der Vorteil gegenüber der Telefonie ist, dass der Austausch hier asynchron erfolgt, d.h. Antworten können auch zeitverzögert gegeben werden.
Die intensive Nutzung der Messenger unterstreicht die Bedeutung, die mobile Endgeräte im Leben der Menschen haben. Das Recruiting muss dieser Entwicklung Rechnung tragen.
Smartphones auch für Jobsuchende Alltag
Eine Befragung von Absolventa zeigte bereits im Jahr 2014, dass Smartphone und Desktop-PC zu gleichen Teilen zur Jobsuche verwendet werden. Nur jeder Fünfte nutzt dafür ein Tablet.
Mit der Digitalisierung und der intensiven mobilen Nutzung haben sich auch die Erwartungshaltungen von Kandidaten stark verändert. Nach einer Kontaktaufnahme mit dem Unternehmen ist heute niemand mehr gewillt, vier Wochen auf eine Reaktion zu warten. Unternehmen müssen dafür sorgen, dass sie schnell und verbindlich reagieren.
Veränderte Erwartungen
Uniting Ambition hat in Großbritannien die Erwartungen von Jobsuchenden untersucht.
- 27% erwarten, sich von einem mobilen Endgerät bewerben zu können
- 72% wünschen sich mobil-optimiert Webseiten
- 79% sagten, dass sie sobald sie auf eine nicht-mobil-optimierte Seite kämen, diese verlassen und woanders suchen würden
- 40% brechen eine Bewerbung ab, wenn sie auf eine nicht-mobil-optimierte Seite kommen
Ähnliche Ergebnisse erbrachte 2015 eine Befragung von Stepstone. Demnach nutzen rund zwei Drittel der Fach- und Führungskräfte ihre Smartphone auch für die Jobsuche.
80 Prozent würden es sogar noch stärker nutzen und auch die Bewerbung am mobilen Device vornehmen.
Immerhin schon jedes zweite befragte Unternehmen würde eine Kurzbewerbung per Smartphone vorziehen, wenn diese Möglichkeit zu mehr Bewerbungen führen würde.
Mobiles Angebot ist Pflicht
Bewerber erwarten von den Unternehmen mobil optimierte Unternehmensinfos (85%), mobil optimierte Stellenanzeigen (79%) und einen Social Connect, also die Möglichkeit, sich z.B. mit seinem Xing oder LinkedIn Profil zu bewerben (40%).
Verschenktes Potenzial
41 Prozent der deutschen Fachkräfte erwarten einen unkomplizierten Bewerbungsprozess. Finden sie mobil ein Online-Formular, das sie ausfüllen sollen, verzichten 23 Prozent ganz auf eine Bewerbung. Das ist vollständig verlorenes Potenzial.
Machen sich die Bewerber doch daran, sich mobil zu bewerben, brechen diesen Prozess aber ab, so setzen nur 20 Prozent dies an einem PC fort.
Unternehmen verlieren an dieser Stelle bis zu 80 Prozent der stark interessierten Kandidaten, oftmals nur aufgrund eines schlechten mobilen Bewerbungsprozesses.
Unternehmensrealitäten
Schaut man sich an, auf welche mobilen Angebote diese Erwartungshaltungen der Kandidaten bei den Unternehmen treffen, wird der Handlungsbedarf für die Unternehmen deutlich.
Nur 56 Prozent von 160 deutschen DAX-Unternehmen haben heute eine mobile Stellenbörse, nur 31 Prozent ein mobil optimiertes Bewerbungsformular. Noch schlechter sieht es beim Social Connect aus, da sind es nur 16 Prozent.
Diese Ergebnisse lieferte 2016 die jährlich durchgeführte Untersuchung von Wollmilchsau.
Mobile ist anders
Möchte man sein Stellenangebot auch mobil optimal präsentieren, so muss man bei der Gestaltung der Inhalte die mobilen Spezifika beachten. Dies bedeutet, dass man den mobilen Nutzungskontext kennt und berücksichtigt.
Die Ausgestaltung von Stellenanzeigen für mobile Endgeräte muss eine andere sein, als die für das stationäre Internet. Das bedeutet, dass sich nicht nur das Recruiting sondern auch die Fachabteilungen daran gewöhnen müssen, für die mobile Nutzung andere Stellenanzeigen vorzusehen.
Tipps für Mobile Content
- Kurze Texte
- Listicles, Bullet Points
- Gute Lesbarkeit (Schriftart, -größe, Kontrast etc.)
- Schnelle Ladezeiten (max. drei Sekunden)
- Übersichtliche Navigation
- Kurzvideos
- Infografiken
- Auch Social Media muss mobil-optimiert sein
- Push Notifications
- Stellenangebote per Mail
- Formularfelder mobil optimieren (Größe, Vorauswahl Tastatur etc.)
- Social Connect
- 1-Tap-Bewerbung
- Bookmarking und Sharing
Mobile Spezifka nutzen
Mobile Technologien können verschiedene Tools anbieten, die Jobsuche und den Bewerbungsprozess so einfach wie möglich zu machen. Das Smartphone verfügt über einzigartige Funktionen, die je nach Zielgruppe unterschiedliche Mechanismen nutzbar machen.
Mit der Ortungsfunktion ist es möglich, dem Kandidaten Jobangebote in seiner Nähe anzuzeigen. Und mit der von der Dating Plattform tinder bekannten Wischfunktion können sehr schnell große Bewerberzahlen generiert werden, indem man dem Bewerber ermöglicht, mit einem Wischen nach rechts gleich eine Bewerbung auszulösen.
Gerätefunktionen
- Telefon: Schnelle, direkte Kontaktaufnahme
- Kamera: Video-Bewerbung, Bild-/Objekterkennung, QR Codes
- Ortungsfunktion: Regional, lokal
- Swipe-Funktion: Schnelle Auswahl, kurze Aufmerksamkeit, hohe Bewerberzahlen möglich
Wir (als Unternehmen) müssen uns tatsächlich was ausdenken, wie wir die Leute anflirten." - Karl Kratz
(Chat-) Bots
(Chat-)Bots können Unternehmen helfen, nicht nur geeignete Kandidaten anzusprechen sondern sie auch zu identifizieren, zu bewerten und vor zu selektieren.
Damit könnten sie einen bestimmten Teil der Kommunikation übernehmen, interne Abteilungen entlasten und helfen, jüngere und Technik-affine Zielgruppen zu erreichen.
Vorteile der Bots, die in den Messengern "leben" ist, dass man über sie die bereits vorhandenen Reichweiten der Messenger nutzen kann.
- 1 Mrd.+ aktive Nutzer/Monat im Facebook Messenger
- 1 Mrd.+ Nachrichten vom Facebook Messenger zu Business Seiten je Monat
- 2,5 Mrd. Menschen haben mindestens eine Messaging-App installiert
- 3,5 Mrd. Menschen werden in den nächsten Jahren eine installieren
- 7 Bn.* Nachrichten wurden 2015 mit WhatsApp verschickt
- 200 Min. Nutzungsdauer/Woche von WhatsApp 2015
- 30.000+ Bots im fb Messenger
*1Bn.=1.000 Mrd.=1.000.000.000.000
Bots für Kandidaten
Nicht nur Unternehmen können Bots für sich nutzen, auch Kandidaten können sich eigene Bots anlegen, die dann zum Beispiel Kontakt zu potenziellen Arbeitgebern herstellen, Lebensläufe versenden oder auch Termine vereinbaren.
Zeit für Veränderungen
Die unglaubliche Beschleunigung, die durch die intensive mobile Nutzung der Kandidaten erfolgt, erfordert in den Unternehmen eine Anpassung der Prozesse.
Die Reaktionsgeschwindigkeiten müssen drastisch erhöht werden, Mitarbeiter und die eigene IT müssen darauf ausgerichtet werden. Es muss akzeptiert werden, dass mobile Bewerbungen absichtlich unvollständig und „anders als die von heute“ sind. Dem müssen nachgelagerte Prozesse Rechnung tragen.
Es ist ein Paradigmenwechsel, der ein Umdenken in HR- und Fachabteilungen erfordert. Die geht natürlich nicht von heute auf morgen, doch sollten die Unternehmen nun endlich etwas Geschwindigkeit für diese Veränderungsprozesse aufnehmen. Für den Wettlauf um die besten Talente muss man selbst eben auch schnell und flexibel sein.
Ich freue mich über Feedback.
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Über Heike Scholz
Nach über zehn Jahren als Strategieberaterin für internationale Unternehmen gründete die Diplom-Kauffrau 2006 mobile zeitgeist und machte es zum führenden Online-Magazin über das Mobile Business im deutschsprachigen Raum.
Heute ist sie ein anerkannter und geschätzter Speaker und gehört zu den Influencern der deutschen Internet-Szene.
Weiterhin ist sie Beiratsmitglied für die Studiengänge Angewandte Informatik und Mobile Computing an der Hoschschule Worms.
Als Co-Founder von ZUKUNFT DES EINKAUFENS, begleitet und gestaltet sie die Digitale Transformation im stationären Einzelhandel.
Sie berät und trainiert Unternehmen, die sich den Herausforderungen der Digitalisierung stellen und fördert mit ihrem Engagement die Entwicklung verschiedener Branchen und Märkte.
Als Partnerin von THE DIGNIFIED SELF, der Initiative für mehr Achtsamkeit in der digitalen Zeit, möchte ich dazu beitragen, die individuellen und gesellschaftlichen Entwicklungen, die durch die Digitalisierung ausgelöst werden, in einem breiten Diskurs mitzugestalten.