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Vier Flöße, Ramme und ein Motorboot Florian Brennauer

Geschrieben und fotografiert: Stefan Volkamer

Der Zimmerermeister Florian Brennauer und seine acht Mitarbeiter erleben den Starnberger See wie wohl kein anderer von uns ─ nämlich Tag für Tag, im Frühling, Sommer und Herbst ebenso wie in den kalten Wintermonaten. Denn Florian hat sich mit seinem Handwerksbetrieb auf den Bau, die Wartung, Pflege und Instandhaltung von Stegen, ganzen Steganlagen und Bootshäusern spezialisiert.

„Etwa 80% unseres Umsatzes erwirtschaften wir mit Seeeinbauten“, verrät er uns. „Das ist nicht nur ein spannender Job. Für mich gibt es eigentlich auch keinen besseren. Es ist wunderschön und faszinierend zugleich, jeden Tag am, im und oberhalb des Sees zu sein und ihn immer wieder neu erleben zu können. Mal sanft, ruhig und verschlafen, mal beschwingt und fröhlich, mal ernst, düstern, provozierend, grummelnd und schwarz wie die Nacht. Für uns alle im Team ist das, was wir machen, ein Traumberuf.“

Der 1979 in Haunshofen geborene Bauernsohn besuchte zunächst die Grundschule in Wielenbach und anschließend die Hauptschule in Weilheim. In der achten Klasse stand ein Betriebspraktikum auf dem Lehrplan, und so sah sich Florian den Beruf des Metallbauers, Mechanikers und Zimmerers an. Der Beruf des Zimmerers begeisterte ihn am meisten, seine Entscheidung war schnell getroffen. „Meine Eltern führten den Hof anfänglich noch als Vollerwerbshof, aber auch mein Vater musste ihn später ─ wie viele andere Bauern aus der Region ─ auf Nebenerwerb umstellen. Auch ich hätte ihn vielleicht so weitergeführt, doch wie das Leben so spielt, ist es dann eben anders gekommen“, erinnert sich Florian Brennauer noch gut. Seine Ausbildung zum Gesellen absolvierte er in einer alteingesessenen Tutzinger Zimmerei, besuchte dann die Fachschule für Bautechnik in München, die er als staatlich geprüfter Bautechniker und mit der Meisterprüfung als Zimmerer abschloss. Seiner alten Firma blieb er auch nach seiner Meisterprüfung - mit 3-jähriger Unterbrechung - über mehr als 15 Jahre treu. „Dieser Betrieb war damals schon auf Seeeinbauten spezialisiert, verfügte über das notwendige Equipment und hatte sehr viel Erfahrung. Mir hat die Arbeit am und im See irrsinnig viel Spaß gemacht.“

Der Weg in die Selbständigkeit

Mit reichlich Erfahrung versehen, wagte Florian dann 2012 den Sprung in die Selbständigkeit als Zimmerer. „Tiere hatten wir auf dem Hof zu diesem Zeitpunkt zwar nicht mehr, aber die ganzen Aufstallungen waren natürlich noch da. Wir mussten erst einmal alles raus reißen und den Stall komplett entkernen, und bei den Dimensionen war das schon eine mordsmäßige Arbeit, bis alles fertig war“, gibt Florian zu. Es folgten in den kommenden Jahren die üblichen Arbeiten eines Zimmereibetriebes, die Zahl der Mitarbeiter wuchs stetig an. Hier und da arbeitete er auch im Bereich Seeeinbauten mit seiner ehemaligen Zimmerei zusammen. Als diese dann 2018 aus Altersgründen des Inhabers aufhörte, konnte er nicht nur einige der erfahrenen Mitarbeiter, sondern auch die spezielle Gerätschaft für die Arbeiten im See und sogar bestehende Aufträge übernehmen.

Der Weg zum neuen Steg gleicht oft einem Balance-Akt
Manche Stege können 30 oder 40 Meter lang sein, bevor sie im See ihr Ende finden

Seeeinbauten werden streng kontrolliert

Der Starnberger See gehört dem Freistaat Bayern und auch das Seeufer gehört dazu. Das können 2,3 oder gar 20 Meter in das jeweilige Grundstück hinein sein. Der Großteil der Steganlagen und Bootshäuser befindet sich demnach auf dem Grund und Boden des Freistaates. Zuständig für Stege ist die Schlösser- und Seenverwaltung, bei Bootshäusern ist es das Landratsamt Starnberg. In jedem Fall sind Seeeinbauten sensible Gewerke, die zustimmungspflichtig sind. Neubauten - wo vorher nichts war - werden überhaupt nicht mehr genehmigt, es sei denn, es sind noch alte Fragmente eines ehemaligen Steges erkennbar. Von daher beschränken sich Seeeinbauten auf Reparatur-, Wartungs- und Instandhaltungsarbeiten, je nach Umfang sind dann die Schlösser- und Seenverwaltung als Verpächter des Seegrundes oder das Landratsamt für die Genehmigung und Überprüfung von Arbeiten zuständig. „Seeeinbauten werden streng kontrolliert“, sagt Florian Brennauer. „Der Freistaat achtet sehr auf das Uferbild seiner Seen, und das ist auch gut so.“ Zu den Kunden der Zimmerei gehören Yachtclubs und private Grundstückseigentümer - wohlhabende und weniger wohlhabende Erben mit ganz normalen Berufen, Unternehmer, Manager, Fußballer und prominente Schauspieler. Quer Beet. „Doch Namen geben wir grundsätzlich nicht preis“, meint Florian Brennauer. „Eines haben sie aber alle gemeinsam: Die Liebe zum See und zu ihrem Steg.“

Bei schönem Wetter ein Traum. Bei schlechtem Wetter eine harte und nass-kalte Angelegenheit.

Seeeinbauten - eine harte Arbeit

Wer glaubt, Seeeinbauten wären eine leichte Sache, der irrt. Je nach Beschaffenheit des Seegrundes müssen Pfähle bis zu sechs Metern in den Boden gerammt werden. Bei kiesigem und steinigem Boden reichen 2 bis 3 Meter, bei schlammigem Untergrund kann es die doppelte Tiefe sein. „Die Besitzer der Grundstücke möchten ihre Stege und Bootshäuser natürlich gerne ab April und Mai voll nutzen können. Das bedeutet für uns, im Winter auch bei minus 12 Grad Lufttemperatur, 2 Grad Wassertemperatur, Eis, Schnee und starkem Ostwind zu arbeiten. Und das ist dann schon eine echte Herausforderung“, gesteht Florian. „Aber dafür werden wir auch entschädigt, denn die unterschiedlichen Stimmungen am See können atemberaubend sein und morgens um 6 Uhr immer mal wieder mit dem Motorboot zur Arbeitsstelle zu fahren ist alleine schon eine Sache für sich.“

Die Familie - ein wichtiger Halt

Dass er trotz seiner zum Teil extrem harten Arbeitsumstände immer gelassen und entspannt ist und sich auch Zeit für die Familie nimmt, freut seine Frau Anna, Mutter der beiden gemeinsamen Kinder und „meine bessere Hälfte“, gesteht Florian. „Die Familie ist mir sehr wichtig.“ Anna unterstützt ihren Mann im Neun-Mann-Betrieb in administrativen, organisatorischen und kaufmännischen Angelegenheiten. „Der Florian hat seinen Traumjob gefunden. Der See hat ihn immer schon fasziniert und heute ist er ihm so nahe wie kein anderer“, räumt sie freudig ein.

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Stefan Volkamer
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