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Dr.PH Felix Roth ANQ-Vorstandsmitglied und Qualitätsbeauftragter santésuisse

Porträt

Felix Roth, Sie sind seit rund zehn Jahren im ANQ-Vorstand tätig. Welche Aspekte der Vorstandsarbeit finden Sie besonders motivierend und interessant?

Im Vorstand sind Leistungserbringer, Kantone und Versicherer vertreten. Wir alle haben zwar unterschiedliche Blickwinkel, setzen uns aber für die gleiche Sache – die Qualität im stationären Spitalbereich – ein. Wir wollen Verbesserungen anstossen, und unsere Arbeit bringt viel in Bewegung. Das ist motivierend.

Dank der professionellen Arbeit der Geschäftsstelle können wir uns im Vorstand auf fundierte und klar strukturierte Grundlagen stützen. Das erlaubt inhaltliche Diskussionen und fachlich gut abgestützte Entscheidungen. Dabei mündet unsere politische Arbeit in konkrete und tragfähige Lösungen. Den intensiven Austausch im Vorstand und die Bereitschaft, neue Wege zu gehen, finde ich spannend.

Felix Roth engagiert sich seit 2013 als Vertreter der Krankenversicherer im ANQ-Vorstand.

Welche Themen haben Sie als Vertreter der Krankenversicherer speziell im Fokus?

Die patientengerechte Versorgung steht im Zentrum der Qualitätsentwicklung. Dies bedeutet gleichzeitig, dass Messungen und Verbesserungen gezielt zur Reduktion von Fehlversorgung beitragen müssen. Leistungen, die nicht zur Gesundung der Patientinnen und Patienten führen, haben negative Folgen für die Betroffenen und treiben die Kosten und damit auch die Krankenversicherungsprämien in die Höhe.

Der ANQ stellt den Spitälern mit den Messergebnissen wertvolle Grundlagen zur Verfügung, um Fehlversorgung zu minimieren und sich laufend zu verbessern. Die transparente Veröffentlichung der Ergebnisse erzeugt einen gewissen Druck und sorgt dafür, dass die Qualitätsthematik in den Institutionen auf der obersten Managementebene angesiedelt ist. Der transparente Vergleich mit anderen erlaubt es, voneinander zu lernen. Weil Fehlversorgung häufig an Schnittstellen passiert, zum Beispiel beim Übergang von der stationären zur ambulanten Versorgung, finde ich die Weiterentwicklung der Messungen entlang der Behandlungskette äusserst wichtig. Das ANQ-Pilotprojekt im spitalambulanten Bereich geht in diese Richtung.

Welche Rolle spielt der ANQ in Ihrem Berufsalltag?

Als Qualitätsbeauftragter von santésuisse decke ich alle Leistungsbereiche ab, die von Krankenversicherern finanziert werden – von der ärztlichen praxisambulanten Versorgung über den Spitalbereich oder die Logopädie etc. bis zur Zahnmedizin. Der zeitliche Aufwand für die ANQ-Aufgaben ist daher vergleichsweise gering, der inhaltliche Stellenwert dafür umso grösser. Denn die Geschäftsstelle ermöglicht eine eingespielte ANQ-Plattform, die seit Jahren sehr gut funktioniert. Dabei sind insbesondere Fachexperten der Spitäler und Kliniken strukturiert eingebunden. Dies ermöglicht praxisnahe und fachlich korrekte Ansätze.

Könnte der ANQ auch in anderen Leistungsbereichen als Vorbild dienen?

Der Einbezug der Kantone, welche die Leistungsaufträge für die Spitäler und Kliniken erteilen, zeichnet den ANQ aus. Der ANQ verfügt zudem über einen etablierten Finanzierungsmechanismus. Diese beiden Elemente sind ANQ-spezifisch und lassen sich nicht ohne Weiteres auf andere Leistungsbereiche übertragen. Insbesondere die Finanzierung ist in allen Leistungsbereichen immer der schwierigste Punkt. Der Bottom-up-Ansatz, bei welchem die inhaltliche Arbeit durch einbezogene Expertinnen und Experten aus den jeweiligen Leistungsbereichen geleistet wird, ist dagegen auch in den anderen Leistungsbereichen zu finden. Vorbildcharakter kommt dem ANQ letztlich bezüglich der transparenten Publikation der Messergebnisse zu. Der ANQ lebt vor, dass ein konstruktiver Umgang mit dieser Transparenz zum Wohle aller möglich ist und auch politisch Akzeptanz findet.

Wie wichtig sind die Ergebnisse der ANQ-Messungen für Ihre Arbeit?

Um alle Messergebnisse eines Spitals oder einer Klinik im Überblick dargestellt zu erhalten, hat santésuisse den Spitalfinder auf www.spitalfinder.ch kreiert. Dieser erlaubt einen umfassenderen Blick auf die Institution. Insofern sind die Ergebnisse der ANQ-Messungen für santésuisse relevant. Als Privatperson benutze ich den Spitalfinder vor allem dann, wenn es um die Wahl eines Spitals geht. Die darin aufgezeigten Qualitätsindikatoren des ANQ und des BAG zeigen zwar nur einen begrenzten Ausschnitt, aber als Bestandteil eines grösseren Informationssets helfen sie bei der Entscheidung.

Der ANQ-Vorstand hat Sie in den neu geschaffenen Paritätischen Ausschuss PA58 gewählt. Was sind aus Ihrer Sicht die wichtigsten Aufgaben dieses Gremiums?

Das revidierte KVG verpflichtet die Verbände der Leistungserbringer und die Verbände der Versicherer, die Qualitätsentwicklung verbindlich zu regeln und entsprechende Qualitätsverträge abzuschliessen. Um die Umsetzung der Verträge zu gewährleisten, bildet jeder Leistungsbereich eine PQK, also eine Paritätische Qualitätskommission. Im Spitalbereich entschieden die Vertragspartner, die bereits bestehenden, paritätisch getragenen Strukturen des ANQ dafür zu nutzen. Mit dem PA58 wurde ein Vorstandsausschuss gebildet, der quasi als PQK die Umsetzung, die Weiterentwicklung und die Finanzierung der vereinbarten Qualitätsentwicklung verantwortet. Hinzu kommt eine Aufgabe, die ich ebenfalls zentral finde: Zusammen mit dem ANQ-Vorstand muss der PA58 die logische Verlinkung von Qualitätsmessung und Qualitätsverbesserung sicherstellen und soll dadurch für Konsistenz sorgen.

Der ANQ erbringt in der Umsetzung der Qualitätsverträge zusätzliche Dienstleistungen. Was bedeutet das für den Verein?

Die zusätzlichen ANQ-Aufgaben beinhalten die Planung und die Koordination der von Gesetz und Qualitätsvertrag geforderten Überprüfungen in den Spitälern. Die Audits kontrollieren, ob die Spitäler das Konzept zur Qualitätsentwicklung umsetzen und die Qualitätsmassnahmen in einen Qualitätszyklus einbinden. Diese zusätzlichen Aufgaben sind für den ANQ existenzsichernd. Denn so behält er seine Bedeutung als Plattform für Leistungserbringer, Kantone und Versicherer. Damit die Messungen für die Qualitätsentwicklung relevant sind und zur Vermeidung von Fehlversorgung beitragen, müssen sie laufend überprüft und bei Bedarf angepasst werden. Daraus ergeben sich interessante Chancen für die Weiterentwicklung des Dienstleistungsangebots.

Dr.PH Felix Roth ist Qualitätsbeauftragter bei santésuisse. Im Frühling 2023 tritt er nach zehnjährigem Engagement aus dem ANQ-Vorstand zurück. Zu seinen beruflichen Stationen gehören das Swiss Tropical and Public Health Institute, die EQUAM Stiftung sowie die Betreuung von verschiedenen Mandaten für den Bund und internationale Organisationen. Er verfügt über ein Doctorate in Public Health der London School of Hygiene and Tropical Medicine (LSHTM), University of London.

Fotos: © Geri Krischker / ANQ