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Auf in den Urwald! Studentische Exkursion in Rumänien

Europas größter Buchen-Urwald

Seit 2016 führen Studierende der Forstfakultät der HSWT unter Anleitung der Professoren Manfred Schölch und Volker Zahner Untersuchungen im Buchenurwald durch. Studienobjekt ist der größte Buchenurwald Semenic der rumänischen Karpaten mit rund 5000 Hektar Fläche. Dieser Wald wurde inzwischen von der Unesco als Weltnaturerbe anerkannt.

Neben Strukturen auf verschiedenen Skalenebenen von Waldentwicklungsphasen über Störungen bis hin zu Mikrohabitaten, werden auch die Vogelwelt und Fledermäuse im Rahmen dieser Studie untersucht.

"In unseren Augen sollten alle Forstleute wenigstens einmal im Leben einen echten Urwald gesehen haben." Prof. Dr. Volker Zahner, HSWT

Urwälder, die auch eine entsprechende Größe aufweisen, gibt es in Europa nur noch in den Karpaten. Dieses Gebirge ist die biologisch diverseste Region Europas. Die Semenic Region stellt den westlichsten Ausläufer des südlichen Karpartenbogens dar. Hier vereinen sich floristische und faunistische Elemente der Bergregion mit jenen der pannonischen Tiefebene, des Pontischen, des Kontinentalen mit dem Submediterranen. Durch die hohen Niederschläge am Westrand der Karpaten treten dazu noch Arten des Atlantischen auf. Ausgeprägt ist auch der Höhengradient durch das steile Aufragen des Gebirges von der Tiefebene bis auf knapp 1500 Meter über dem Meeresspiegel. Das Izvoarele Nera Scientific Reserve ist eingebunden in den 36.800 ha großen Semenic-Karash-Klamm Nationalpark, der im Jahr 2000 ausgewiesen wurde.

"Der Semenic war ganz anders als ich ihn mir vorgestellt habe: Der Urwald beeindruckte weniger durch gewaltige Baumdurchmesser oder besondere Unzugänglichkeit, sondern vielmehr durch das vielschichtige Mosaik an Waldentwicklungsphasen, die sich teilweise kleinflächig abwechselten. Bestände aus wipfelschäftigen Buchenriesen gingen über in lückige Wälder, voll mit pilz- und flechtenüberwachsenen Hochstümpfen, gefolgt von dichten Buchenstangenhölzern, die nach oben strebten. Die Fahrt war ökologisch und waldbaulich ein richtiger Impulsgeber!" Robert Wiest, Student Forstingenieurwesen

Impulse für naturnahen Waldbau

Von der inneren Struktur, der Verjüngungsdynamik und dem Störungsregime der dem System inne wohnt, lassen sich naturnahe Waldbauverfahren für mitteleuropäische Buchenwälder ableiten. Zwischen der Verteilung und Zusammensetzung, der Größe der "Störungsflächen", Verteilung der Waldphasen, der Totholzmenge sowie der Mikrohabitate und dem Vorkommen von ganzen Artengemeinschaften bestehen enge Zusammenhänge. So kommt der seltenste europäische Specht, der Weißrückenspecht, hier in Dichten vor, wie wir sie bei uns nur von Buntspechten kennen. Das hängt wiederum an den totholzbewohnenden xylobionten Gemeinschaften, von denen die Art lebt. Diese Erkenntnisse können wieder für die Vereinbarkeit von Waldnutzung und Schutz eingesetzt werden.

Ein Paradies für Insekten, Flechten, xylobionte Artengemeinschaften, ...

Dreharbeiten

Der erfolgreiche Naturfilmer Jan Haft war mit Dreharbeiten für eine dreiteilige Fernseh-Produktion über Wälder mit dabei.

„Mit Lehrenden und Studierenden der HWST durch den Buchenurwald Semenic zu wandern und einen Einblick in ihre Forschungsarbeit zu bekommen, war für mich ein großartiges Erlebnis!“ Jan Haft

Datenauswertung am Wirtshaus

Blick auf Dorf und Karpaten

Alle Fotos: Phil Krösser und Volker Zahner