Die politische Lage und die Covidpandemie haben die Situation für Patient*innen und Mitarbeitende von Ärzte der Welt in der ostukrainischen Region Donezk deutlich verschlechtert. Unsere Teams bieten Gesundheitsdienstleistungen an, statten Gesundheitsstationen aus und helfen, die staatliche Versorgung (wieder) dauerhaft aufzubauen. Bilder und Eindrücke aus dem Projekt.
Unterstützung im Einsatz gegen Covid-19
Seit März 2020 unterstützt Ärzte der Welt die Gesundheitsbehörden bei ihren Maßnahmen gegen Covid-19.
Die Krankenhäuser in der Region sind auf die Kooperation mit Ärzte der Welt angewiesen. Immer wieder werden wir angefragt, ob wir Schutzausrüstung, Desinfektionsmittel und medizinische Ausrüstung zur Bekämpfung von Covid-19 zur Verfügung stellen können.
Wir überprüfen jede Anfrage und stimmen sie mit den Gesundheitsbehörden und anderen Organisationen ab, um Überlappungen zu vermeiden.
Auch die Ukraine kämpft mit der vierten Covid-Welle. Allerdings ist die medizinische Versorgung nicht annähernd so gut wie in Deutschland. Besonders in den konfliktbetroffenen Gebieten ist die Lage immer wieder sehr angespannt. Die Hauptgründe:
Gut ein Drittel der Bevölkerung ist über 60 Jahre alt und gehört somit zur besonders vulnerablen Patient*innengruppe.
Auch ein Großteil des medizinischen Personals ist über 60 Jahre alt und besonders gefährdet.
Es herrscht großer Personalmangel: Viele Ärzt*innen und Pflegekräfte haben die Region wegen des Konflikts schon vor Jahren verlassen. Dies wirkt sich negativ auf die allgemeine Gesundheitsversorgung aus.
Links: Covid-Station im Krankenhaus in Svetlodarsk
Seit Beginn der Pandemie haben sich viele medizinische Mitarbeiter*innen in der Ukraine mit Covid-19 infiziert, oftmals wegen fehlender Schutzausrüstung.
Unsere Mitarbeiter*innen haben Hygienekonzepte entwickelt, um sich bestmöglich vor einer Infektion mit dem Coronavirus zu schützen. Trotzdem blieb es nicht aus, dass sich in den vergangenen zwei Jahren auch unsere Teammitglieder mit Covid-19 infiziert haben oder aufgrund eines Infektionsverdachts in Quarantäne mussten.
Rechts: Mitarbeiter*innen des Krankenhauses in Svetlodarsk
Medizinische Versorgung aufbauen und verbessern
Wir wollen den Zugang, die Verfügbarkeit und die Qualität der Gesundheitsdienstleitungen in den Gesundheitseinrichtungen in Donezk Oblast verbessern.
Ärzte der Welt unterstützt deshalb ausgewählte Gesundheitseinrichtungen mit der notwendigen medizinischen Ausrüstung, beispielsweise mit Geräten zur Messung von Puls und Sauerstoffsättigung, mit Beatmungsbeuteln und Blutzuckermessgeräten ebenso wie mit medizinsichen Verbrauchsmaterialien.
Links: Lieferung von Covid-19 Materialien an das Krankenhaus in Svetlodarsk (Bakhmut Rajon, Donezk Oblast)
Wir stellen unter anderem gynäkologische Untersuchungsstühle zur Verfügung, um so die entsprechenden Untersuchungen zu ermöglichen.
Daneben statten wir Hausärzt*innen des öffentlichen Gesundheitssystems mit transportierbarer Ausrüstung aus, damit sie auch entlegenere Gebiete versorgen können. Diese befinden sich vor allem entlang der Kontaktlinie zwischen den von der Regierung und den nicht von der Regierung kontrollierten Gebieten.
Links: Eine Mitarbeiterin des Krankenhauses Svetlodarsk
Ein sogenanntes Outreach-Team besteht aus einem staatlichen Allgemeinarzt, einer Ärzte der Welt-Hebamme und einer Ärzte der Welt-Psychologin.
Zusammen leisten sie Basisgesundheitsversorgung, wie beispielsweise im Bild rechts in einem sogenannten „Humanitarian House“ in Bakhmuta (Donezk Oblast).
Wenn es kein Gesundheitszentrum in der Nähe gibt, werden Gesundheitsdienstleistungen in solchen „Humanitarian Houses“ angeboten.
Politische Situation erschwert Versorgung
Zwischen den von der Regierung kontrollierten Gebieten (GCA) und den nicht von der Regierung kontrollierten Gebieten (NGCA) verläuft die streng bewachte Kontaktlinie.
Die Kontaktlinie darf nur mit einer speziellen Autorisierung an bestimmten Übergängen überquert werden. Von den sieben Übergängen sind seit Beginn der Pandemie nur noch zwei geöffnet. Die Menschen, die von NGCA nach GCA möchten, bekommen nur aufgrund von besonderen Gründen die notwendige Erlaubnis.
Vor der Pandemie haben ca. 1,2 Mio. Menschen pro Monat die Kontaktlinie in beide Richtungen überquert, seit Covid sind es nur 28.000 Menschen pro Monat.
Der Zugang zu den nicht von der Regierung kontrollierten Gebieten ist für Hilfsorganisationen nach wie vor schwierig. Durch die Coronapandemie wurde der Zugang noch zusätzlich erschwert. Ärzte der Welt ist eine von vier Organisationen, die im nicht von der Regierung kontrollierten Gebiet in Luhansk akkreditiert ist und die Kontaktlinie passieren darf.
Links: Lieferung von Covid-19 Materialien an das Krankenhaus Svetlodarsk
Wo wir sind und was wir leisten
Ärzte der Welt Deutschland ist in dem von der ukrainischen Regierung kontrollierten Gebiet der Region Donezk aktiv. Dort unterstützen wir regulär elf Gesundheitseinrichtungen sowie zusätzliche Einrichtungen im Rahmen der Covid-Maßnahmen.
In dem von der Regierung kontrollierten Gebiet bietet das Team allgemeine medizinische Behandlungen, Konsultationen zur psychischen Gesundheit und psychosoziale Unterstützung sowie Sprechstunden zur sexuellen und reproduktiven Gesundheit an.
Neben der direkten medizinischen Versorgung wird das lokale Gesundheitssystem durch verschiedene Maßnahmen gestärkt. Ziel ist es, das vorhandene System zu befähigen, die Versorgung der Bevölkerung wieder selbst zu übernehmen.
Fotos: Pietro Chekal
Das Projekt wird vom Auswärtigen Amt und dem Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung unterstützt. Dennoch sind wir dringend auf Spenden angewiesen. Bitte helfen Sie uns bei unserer Arbeit in Donezk.
Credits:
Fotos: Pietro Chekal