Mächtige Stadttore, eine trutzige Stadtmauer und lebendige Geschichte im Freilandmuseum Oberpfalz. Wer nach Nabburg kommt, erlebt viel Geschichte und die Ruhe eines idyllischen Städtchens.
Nabburg lockt schon von der Ferne. Wenn man auf der Autobahn A93 unterwegs ist, egal ob von Nord nach Süd oder anders herum, dann kommt man nicht umhin, schon von Weitem einen neugierigen Blick auf die oberhalb der Naab gelegene Stadt zu werfen. Überragt vom Turm der gotischen Stadtpfarrkirche St. Johannes der Täufer scheint die Stadt über den Fluss und die umliegende Landschaft zu wachen und einzuladen, um innezuhalten, eine Pause zu machen, die Stadt zu erkunden. Doch meist rast man weiter. Ein Fehler, wie sich bald herausstellen sollte.
Als das Wetter Deutschland und den Alpenrand mal wieder mit kräftigem Dauerregen und Hochwasser bedroht, war einzig für die Oberpfalz trockenes, warmes Sommerwetter angekündigt. Warum nicht die eigene Neugier befriedigen und Nabburg einen Besuch abstatten? Gesagt getan. Ein Zimmer ist schnell reserviert und ein paar Stunden später rollen wir entspannt durch das eindrucksvolle »Mähntor« in die Altstadt.
Das charmante Zimmer im Hotel Alter Pfarrhof ist schnell bezogen und neugierig starten wir eine erste Erkundungstour.
Was sofort auffällt, ist die Ruhe und die Gelassenheit, welche die beschauliche Altstadt ausstrahlt. Man geht unweigerlich ein wenig langsamer, schlendert durch die Gassen, lässt das historische Ambiente einfach wirken und genießt die Zeit.
Ein Schild mit der Aufschrift »Sterngarten« erinnert uns daran, wie hungrig wir sind. Hoch oben auf der alten Stadtmauer befindet sich ein malerischer Biergarten. Unter alten Obstbäumen genießen wir bei Bier und leckerem Essen den pittoresken Blick auf die träge dahinfließende Naab und die umliegende Landschaft.
Auf dem Weg zurück zum Hotel erwartet uns die heimelig beleuchtete Altstadt mit ihrem beschaulich mittelalterlichen Flair. Und da es so schön warm ist, gönnen wir uns noch im Café am Marktplatz einen Espresso.
Der nächste Tag empfängt uns mit strahlendem Sonnenschein. Um zwölf Uhr sind wir zur Stadtführung verabredet, neugierig darauf, was wir alles erfahren werden. Den Vormittag nutzen wir, um uns weiter umzuschauen. Wir gehen hinunter zur gemächlich dahin fließenden Naab und zum Stadtteil Venedig. Wir schlendern am Ufer entlang und lassen uns auf der Stadtmauer und dem sogenannten Zwinger, dem Platz zwischen dem äußeren und dem inneren Mauerring der historischen Befestigung, von der Sonne verwöhnen. Von dort hat man einen herrlichen Blick auf die Naab, die gegenüberliegenden Stadtteile und die umliegende Landschaft.
Schnell ist die Zeit vergangen und wir treffen uns mit der Stadtführerin am Alten Rathaus, das 1417 errichtet wurde. Der Renaissance-Anbau mit der Loggia kam dann im 16. Jahrhundert hinzu. Früher befanden sich kleine Läden, die Stadtwaage und natürlich der Sitzungssaal im Rathaus.
Das Obertor mit seinem achteckigen Turm und einer Freitreppe war früher der nordwestliche Zugang zur Stadt. Direkt daneben befindet sich das Tourismuszentrum Oberpfälzer Wald. Hier erhält man vielfältigste Informationen über den gesamten Oberpfälzer Wald und seine verschiedenen Regionen, insbesondere auch zu Aktivitäten wie Radeln, Wandern, Camping, Angeln und Wassersport. Erstaunlich, was die Gegend alles zu bieten hat.
Direkt daneben, am höchsten Punkt der Stadt, steht das ehemalige Pflegschloss, heute Vermessungsamt. Früher dürfte an dieser Stelle die »Nab-Burg« gestanden haben. Die „Marca Napurch“, wie sie in mittelalterlichen Urkunden genannt wird, war die Keimzelle der Stadt.
Gleich nebenan steht die gotische Stadtpfarrkirche St. Johannes der Täufer. Einst war die Kirche ein richtiger »Dom« mit zwei Türmen. Doch einer brannte im 16. Jahrhundert nach einem Blitzschlag nieder. Das bestehende Bauwerk wurde unter dem Einfluss des Regensburger Doms vermutlich vor 1300 begonnen und wahrscheinlich um 1359 vollendet. Der dreischiffige Innenraum zeigt die typischen Merkmale der Hochgotik und ist mit einem Kreuzrippengewölbe abgeschlossen.
Neugierig gehen wir weiter, über den Marktplatz, zum Schmidt-Haus. Hier hat der ehemalige Besitzer, der Architekt Karl Schmidt, sein Lebensmotto »Carpe Diem« direkt in den Putz geritzt. In dem Bedürfnis, sein Haus zu einem Gesamtkunstwerk zu machen, zieren jetzt viele allegorische Zeichnungen die Fassade.
Noch zu erwähnen ist das Stadtmuseum im ehemaligen Zehentstadel. Dort befindet sich neben einer Ausstellung Von Menschen und ihrer Stadt auch ein kurioses Informationszentrum für Ameisenkunde.
Nach der zweistündigen Stadtführung schwirrt uns ganz schön der Kopf. Aber wir haben viel über die Stadt und ihre lange Geschichte erfahren. Nach einer kurzen Pause sind wir wieder auf dem Weg zu einer weiteren Attraktion der Stadt, dem Freilandmuseum Oberpfalz. Nur wenige Autominuten von der Altstadt entfernt macht es die Geschichte, die Kultur und Natur der Oberpfalz anhand der unterschiedlichen Regionen lebendig. Auf über dreißig Hektar wurden verschiedene historische Museumsdörfer – Stiftland, Oberpfälzer Wald, Oberpfälzer Jura, Mühlental und Nabburger Straße – errichtet.
Verbunden wurden die mittlerweile 50 übertragenen und wieder aufgebauten Gebäude durch historische Landstraßen und Wege im Stil des 19. Jahrhunderts.
Neben den offenen Gebäuden treffen wir bei unserem Rundgang durch das Museum immer wieder auf alte Haustierrassen wie Gänse, Schafe, Rinder, Pferde und Ziegen. Auch Pfauen, Schweine und Kaninchen leben in den Ställen und auf den Weiden. Besonders die liebevoll angelegten Bauerngärten mit ihren vielen Blumen und Blüten haben es uns angetan.
Im gemütlichen Biergarten des historischen Wirtshauses gönnen wir uns eine leckere Brotzeit und ein kühles Bier.
Da wir es nicht eilig haben, die Heimreise anzutreten, machen wir noch einen Abstecher zum Edelmannshof nach Perschen. Gemeinsam mit der romanischen Pfarrkirche St. Peter und Paul bildet der seit 1605 ursprünglich erhaltene Dreiseithof das wichtigste Zeugnis bäuerlicher Architektur in der Oberpfalz. Er ist sozusagen die Keimzelle des Freilandmuseums und liegt malerisch an der Naab. Man bekommt einen guten Eindruck vom beschwerlichen Leben auf dem Land im 17. Jahrhundert.
Weitere Ausflugsziele und Aktivitäten in der Umgebung:
Die Weltkulturerbe-Stadt Regensburg an der Donau ist nur 60 Kilometer entfernt und bietet eine spannende Abwechslung zum Landurlaub.
Die attraktiven Badeseen des Oberpfälzer Seenlands liegen ganz in der Nähe und verfügen mit der größten begehbaren Erlebnisholzkugel der Welt am Steinberger See über eine echte Attraktion.
Viele beeindruckende Burgen und Burgruinen sind leicht zu erreichen.
Der Oberpfälzer Wald mit seinen versteckten romantischen Winkeln ist ideal für einsame Wanderungen zu zweit. Wander-Tipps gibt es unter: www.oberpfaelzerwald.de/natur-navi
Zusätzliche Informationen unter: www.oberpfaelzerwald.de