Loading

Gottes handeln in der Weltgeschichte

Hat Gott im Zweiten Weltkrieg (1939–1945) eingegriffen, so dass die grossen Alliierten (USA, Grossbritannien, Sowjetunion) über Nazi-Deutschland siegten und damit die endgültige Vernichtung der Juden im Holocaust verhinderten? Hat Gott den Fall der Berliner Mauer 1989 herbeigeführt und den Untergang der Supermacht Sowjetunion besiegelt? Beruft Gott die Diktatoren in Russland, China und Nordkorea und beeinflusst Er deren Politik?

Atheistische oder glaubensferne Historiker werden diese Fragen kategorisch verneinen. Sie forschen in schriftlichen oder mündlichen Informationen, sogenannten Quellen, und erklären und deuten geschichtliche Ereignisse wissenschaftlich als Resultat menschlichen Handelns oder allenfalls des Zufalls. Ein christlicher Historiker weiss: Gott macht mit den Mächten im Himmel und auf Erden, wie Er will (Daniel 4, 32), und weltliche Macht ist von Gott gegeben (Johannes 19,11). Ein christlicher Historiker beachtet als Quelle auch die Bibel, um zu erkennen, welches Gottes Gedanken und Pläne sind und wie und wo Er dazu in die Weltgeschichte eingreift. Ersichtlich ist Sein Wirken besonders in der Geschichte Israels und der Juden und jener Seiner Gemeinde und des Christentums. In grossen Zügen sei das hier dargestellt.

Ein christlicher Historiker beachtet als Quelle auch die Bibel.

Gott wirkt mit Seinem auserwählten Volk

Die Juden sind Gottes auserwähltes Volk. Mit ihnen verwirklicht Er Seinen Plan. Gott hat Israel unter David und Salomo rund 1000 v. Chr. zu einem starken Reich gemacht, dieses 926 v. Chr. in Israel und Juda geteilt, in die Gefangenschaft der Grossmächte Assyrien (Israel) und Babylon (Juda) geführt und ab 538 v. Chr. wieder aus dem Exil zurückgeholt. Nach dem Aufstand der Juden eroberte und zerstörte die römische Weltmacht 70 n. Chr. Jerusalem. Die Juden wurden vertrieben und lebten – oft, auch von Christen, verfolgt und geplagt – knapp 2000 Jahre über alle Welt verstreut, bis die Zeit der Heiden erfüllt war (Lukas 21, 24).

Nach dem Ersten Weltkrieg kehrten Juden nach Palästina zurück. Nach dem Zweiten Weltkrieg und dem Horror des Holocaust erfolgte 1948 die Gründung des Staates Israel. Es fällt auf: Israels Geschichte war und ist immer eng mit jener der Grossmächte verflochten. Mit diesen wirkte Gott auf Israels Geschichte ein und betreibt vor unseren Augen säkulare Weltpolitik. Kyros, König der Grossmacht Persien, erlaubte den Juden 538 v. Chr. die Rückkehr aus dem Exil. Die Römer respektierten Religion und Sitten der Juden, solange sie die römische Oberherrschaft anerkannten und keine Aufstände anzettelten. Der Erste Weltkrieg (1914–1918) endete für das Osmanische Reich (heute: Türkei), bis jetzt die letzte islamische Grossmacht, mit der Niederlage und dem Verlust Palästinas. Die Sieger- und Weltmacht Grossbritannien übernahm dieses Gebiet als Mandat und ermöglichte den Juden die Rückkehr. Bereits 1917 hatte der britische Aussenminister Lord Arthur James Balfour zugesagt, die Errichtung einer nationalen Heimstätte für das jüdische Volk in Palästina zu unterstützen (Balfour-Deklaration).

Israels Geschichte war und ist immer eng mit jener der Grossmächte verflochten.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Supermacht USA zur Schutzmacht Israels und ist es bis heute geblieben – nicht zuletzt aus religiösen Motiven, denn dort sehen Christen in Amerika «God’s own country». Im 20. Jahrhundert griffen die übermächtigen arabischen Nachbarländer vier Mal (1948, 1956, 1967 und 1973) das «kleine» Israel an. Dieses behauptete sich jedes Mal auf dem Schlachtfeld, ein grosses Wunder und menschlich nicht erklärbar. Auf Seiten der islamischen arabischen Angreifer und Feinde stand jedes Mal die Supermacht Sowjetunion, die nach dem Fall der Berliner Mauer sang- und klanglos unterging.

Gott wirkt mit Seiner Gemeinde

Jesus hat Seinen Jüngern den Missionsauftrag erteilt (Matthäus 28,19) und ihnen offenbart, dass sie Seine Zeugen sein würden bis an das Ende der Erde (Apostelgeschichte 1, 8). Gott benutzte die Missionsreisen von Paulus und den Aposteln sowie die Ver­folgung und Zerstreuung der ersten Christen zur Ausbreitung des Evangeliums im Römischen Reich. Nachdem die Christen 300 Jahre verfolgt worden waren, brachte ihnen das Toleranzedikt Kaiser Konstantins von 313 n. Chr. Religionsfreiheit und Gleich­berechtigung. Kaiser Theodosius bestimmte 395 n. Chr. das Christentum als Staatsreligion. Fortan war es die bestimmende Religion im römischen Weltreich.

Die ins Reich einfallenden Germanenvölker nahmen das Christentum an, später die slawischen Völker im Osten. Europa wurde christlich. Das christliche Europa war spätestens ab dem 15. Jahrhundert die militärische, wissenschaftliche, technologische, industrielle und kulturelle Vormacht auf der Welt und blieb es bis zum Zweiten Weltkrieg. Darin sehe ich ein tiefgreifendes Wirken Gottes. Diese Vormachtstellung ermöglichte es Europa, ab dem 15. Jahrhundert neue Gebiete und Kontinente zu entdecken, zu erobern und zu besiedeln: Nord- und Südamerika, Asien, Australien, Afrika. Es ermöglichte die Missionierung und Ausbreitung des Christentums über die ganze Erde, wie es sonst kaum möglich gewesen wäre. Heute gibt es überall auf der Welt Christen. Die Eroberung, die Kolonialisierung und die Missionierung fremder Länder und Völker wird heute teils kritisch beurteilt; tatsächlich hatten sie auch ihre dunklen und schlimmen Seiten. Europa löst sich vom Christentum, lange schleichend, heute offensichtlich und bewusst. Schiebt Gott Europa auf die Seite? Als Strafe dafür, dass das einst christliche Europa Jesus ablehnt und mit der Verfolgung der Juden Schuld auf sich geladen hat?

Fazit

Was können wir heute daraus lernen?

  1. Achten wir darauf, was in Israel geschieht. Hier wird sich am Ende der Zeit die Weltgeschichte zuspitzen. Wie stellen sich die Grossmächte zu Israel? Was passiert, sollten sich die USA von Israel abwenden?
  2. Gott hat Seine Gemeinde weltweit errichtet und wird die Evangelisierung unerreichter Gebiete mit oder ohne Europa verwirklichen. Beten wir für unseren Kontinent und unser Land, dass es zurück zu Gott und Jesus findet.
Ernst Baumeler, Dr. phil., Historiker, Berufsschullehrer, Mitglied der FMG Oetwil am See