Geschrieben: Stefan Volkamer
„Emily“ ─ sie ist die berühmteste Kühlerfigur in der Geschichte des Automobils. Seit über einhundert Jahren ziert sie jeden Rolls-Royce und ist zu einer lebenden Legende geworden. Für Hochzeitspaare, die den schönsten Tag ihres Lebens außergewöhnlich stilvoll zelebrieren möchten, bietet Raphael Suder aus Frieding seinen Rolls-Royce 25/30 Wingham Cabriolet, Baujahr 1936, und sich selbst als perfekt gekleideten Chauffeur an. Ein wahrhaft aristokratischer Auftritt ist garantiert.
„Neben dem perfekt restaurierten und überaus fahrtüchtigen Rolls-Royce haben wir zwar noch drei weitere Oldtimer verfügbar ─ einen Ford A von 1930, einen Riley Adelphi Salon von 1935 und einen Jaguar XK 140 aus dem Jahr 1956 ─ aber unser prachtvoller Rolls-Royce steht bei Hochzeitpaaren schon sehr hoch im Kurs. Den lieben sie besonders“, erklärt Raphael Suder, der sich stets höchstpersönlich hinter das Lenkrad setzt und seine Gäste am schönsten Tag ihres Lebens chauffiert.
Von der Musik zum Film
Dabei verlief sein Leben zunächst ganz anders, bevor ihn die Leidenschaft packte und er damit begann, Pretiosen der Autogeschichte zu sammeln und für besondere Anlässe zu vermieten. Der in Wartaweil am Ammersee geborene und in München-Bogenhausen aufgewachsene, technisch begabte Eisenbahn-Enthusiast Raphael studierte anfänglich Kirchenmusik in Bayreuth, studierte dann aber Fagott an der Musikhochschule in München. 25 Jahre war er anschließend als Solofagottist in einem Münchner Symphonieorchester tätig. Wenn auch die Musik seine große Leidenschaft war, so blieb dennoch genügend Platz und Zeit, um nebenher zu fotografieren und zu filmen. Ein Hobby, das Jahre später seinem Leben eine entscheidende Wende geben sollte. „Ich bin in den 1990ern aus Spaß an der Sache in die damalige DDR gereist und habe, erst einmal nur für mich, einen Film über eine dieser schönen Schmalspurbahnstrecken gedreht. Regie, Kamera, Schnitt und Off-Sprecher alles in einer Person“, erinnert sich Raphael Suder noch gut. „Einem bekannten Eisenbahnfachbuchhändler habe ich dann um seine Meinung über mein Erstlingswerk gebeten. Tage später fiel ich aus allen Wolken, denn er war so fasziniert von dem Film, dass er ihn als Verleger in den Verkauf brachte.“
Dokumentarfilme über das Thema Eisenbahn
Es folgten noch viele weitere Filme zum Thema Eisenbahn, „an freien Tagen und in meinen Ferien war ich unterwegs mit Stativ und Kamera“, so Raphael Suder. Doch 2002 setzte er seinem Leben als Berufsmusiker ein Ende und konzentrierte sich von da an nur noch auf Dokumentarfilme über Eisenbahnen und Eisenbahnstrecken. „Die Verlage und das Fernsehen bekamen von mir das fertige Masterband, brauchten also nur noch Kopien ziehen, oder die Filme zu senden. Gut für sie, gut für mich. Und da ich viele der Verlage ja schon aus meiner semiprofessionellen Zeit kannte, verlief mein beruflicher Umschwung vom Musiker zum Filmemacher völlig problemlos“, meint Raphael. „Als die Rechte meiner ersten 5 Filme wieder frei wurden, konnte ich sie ohne großen Neuaufwand erneut verkaufen und freute mich natürlich über den plötzlichen Geldsegen, der über mich herein brach“, erzählt Raphael, der noch heute Dokumentarfilme dreht.
Sein erster Oldtimer
So erfüllte sich Raphael Suder ─ finanziell überraschend gut gepolstert ─ einen Traum und erwarb 2012 seinen ersten Oldtimer, einen Ford A, Baujahr 1930. „Diese robuste, substantiell gut erhaltene Schönheit habe ich mir aus reinem Spaß an der Sache gekauft, nach reiflicher, monatelanger Überlegung. Von Oldtimern hatte ich keinen blassen Schimmer, aber dieser Wagen hat mir fast schon ein sinnliches Vergnügen bereitet ─ echtes Holz, schönes Leder, robuster Stahl, viel Chrom, kein Plastik. Ein lebendiges Auto, selbst bestimmt und reinster Genuss“, schwärmt der Oldtimerfan. Über Kontakte zu Oldtimerwerkstätten und –sammlern vertiefte er sich mehr und mehr in die Szene, seine Leidenschaft ließ ihn nicht mehr los. Auf den Ford A folgten ein Riley Adephi Salon, dann ein Jaguar XK 140 und zuletzt das bildschöne, aristokratisch anmutende Rolls-Royce Cabriolet. „Allesamt sind fahrbereit. Es ist keineswegs so, dass ich sie nur vermiete. Ich nutze sie jeden Tag für meine eigenen Zwecke. Mit dem Ford fahre ich zum Beispiel gerne in den Urlaub, aber auch auf den Wertstoffhof“, gesteht Raphael. Ein modernes Auto steht nur für das Winterhalbjahr zur Verfügung.
Die Hürden der Bürokratie
Dass er seine Kostbarkeiten vermietet, war erst einmal gar nicht vorgesehen. „Freunde fuhren höllisch gerne bei mir mit, es bereitete ihnen ein großes Vergnügen. Und wenn wir gemächlich über die kleinen Landstraßen fuhren und vor Cafés und Biergärten hielten, lächelten uns viele Menschen an, haben uns sogar zugewunken während der Fahrt. So kam ich auf die Idee, auch zu vermieten“, berichtet er, „die behördlichen Auflagen und Bestimmungen aber waren extrem streng, hoch und manchmal auch nicht sonderlich plausibel.“ Es hat ihn Zeit und Nerven gekostet, bis er Grünes Licht von der Gemeinde, dem Landratsamt und weiteren Stellen erhielt. Mit der bestandenen Prüfung zum Taximietwagenunternehmer vor der IHK stand dann der Vermietung nichts mehr im Wege. „Heute könnte ich sogar im Ernstfall Geburtshilfe leisten, sollte die Braut noch vor der Hochzeit in einem meiner Wagen niederkommen“, verrät uns Raphael mit breitem Grinsen im Gesicht. Ein Service dieser Art ist aber wohl eher nur theoretisch denkbar. Viel lieber nutzen Gäste seinen traditionell-historischen, köstlich gefüllten Picknickkorb und sein Koffergrammophon. Während einer Ausfahrt Halt einzulegen, sich samt Picknickkorb und Grammophon auf eine Wiese zu setzen, Musik aus den 20ern zu hören und dabei dann noch auf den See zu blicken….auch als Geburtstagsgeschenk werden seine Oldtimertouren über „ammersee-nostagie-fahrten.de“ gerne gebucht.
„Ich habe immer ein autonomes, selbständiges und nachhaltiges Leben geführt, echt, pur und lebendig. Und so ist auch jeder meiner Oldies. Wir haben also viele Gemeinsamkeiten“ gibt Raphael Suder abschließend zu.
Credits:
Raphael Suder