Redaktion: Carlos Murillo, Alumnus.
Im Bus von Naranjo nach San José oder in seinem Heimatdorf kann ein Typ wie Cristian Arrieta völlig unbemerkt von der Masse bleiben. Sein friedvoller Gesichtsausdruck - in den Augen mancher eine sehr seriöse Person -, seine stets freundliche Art und seine wenigen Worte verbergen nicht nur sein junges Alter von 20 Jahren, sondern auch sein audiovisuelles Talent, welches in seiner Arbeit, in seinen Beiträgen auf Tiktok und anderen sozialen Netzwerken deutlich wird.
Cristian wuchs in einem Elternhaus auf, in dem jeder versuchte, jeden Tag sein Bestes zu geben. Seine Mutter Doña Yaneth arbeitet seit mehr als zehn Jahren als Hausangestellte. Seine Schwester María Fernanda hat nach harter Anstrengung und mittels Unterstützung ihrer Familie ihren Abschluss als Buchhalterin geschafft. So bewarb sich Cristian an der zweisprachigen Sekundarschule (Liceo Experimental Bilingüe) in Naranjo, da diese Schule zu diesem Zeitpunkt die beste Option in der Region war. Cristian erinnert sich, dass es für ihn anfangs sehr anspruchsvoll war und er länger brauchte, um in den neuen Rhythmus zu gelangen. Er war kein Schüler, der sich an Aktivitäten der Schule beteiligte (auch wenn diejenigen, die ihn nur über die sozialen Medien kennen, etwas anderes denken könnten); nach seinen eigenen Worten ging er einfach hin, kam zurück und machte seine Hausaufgaben.
Als er 15 Jahre alt wurde, schenkte ihm sein Vater Don Wilber, der für verschiedene Medienunternehmen gearbeitet hatte, eine kleine Kamera, mit welcher er Videos zu drehen begann. Ohne lange zu überlegen, lud er eines seiner ersten Videos nur so zum Spass auf Youtube hoch.
Anfangs konzentrierte er sich auf Motivationsvideos. Doch er merkte bald, dass die Leute sich vielmehr für Themen interessierten, die mit Klatsch und Comedy zu tun haben. Nachdem er die Dynamik der Netzwerke besser verstanden hatte, begann er Inhalte auf der Grundlage von Trends zu erstellen. Es dauerte nicht lange, und man kannte ihn für seine Videos.
Cristian erinnert sich, dass Edunámica ihm während seiner Schulzeit - zusätzlich zu den Vorteilen, die er bereits durch seine Teilnahme am Förderprogramm erhielt - die Möglichkeit gab, bei verschiedenen Treffen und Schülercamps Videos zu drehen. Dies habe ihm die Angst vor den sozialen Medien genommen und es ihm ermöglicht, sich auch auf anderen Plattformen wie Youtube zu positionieren. Ausserdem waren die Camps eine der Erfahrungen, die ihn während seiner Zeit bei Edunámica am meisten geprägt haben.
"Ich habe Edu nie aus einer wirtschaftlichen Sicht betrachtet. Es ging nicht um das Geld, sondern um die Erfahrung, durch die Camps Menschen aus anderen Schulen zu treffen. Ohne Edunámica hätte ich diese Erfahrung nie gemacht."
Wenn er an seine Zeit bei Edunámica zurückdenkt, erinnert er sich, dass die Noten wichtig waren. Vielmehr würdigt er aber die individuelle Unterstützung und die Möglichkeiten, neue Erfahrungen zu machen, die das Leben der begünstigten Kinder verändern können. In seinen Worten: "Edunámica ist nicht das, was man von aussen sieht. Es sieht vielleicht wie ein Stipendienprogramm, vielmehr ist es aber eine grossartige Initiative zur Unterstützung der psychischen Gesundheit der Schülerinnen und Schüler."
Im Jahr 2018 reduzierte er sein Engagement für Videos und konzentrierte sich auf den Beruf des Audiovisuellen Produktionstechnikers. Dies entsprach vielmehr seinem Geschmack und seinen Fähigkeiten. Seine beruflichen Ziele sind damit aber noch nicht erschöpft: Er hat festgestellt, dass ihm die Psychologie sehr gefällt. Er bereitet sich nun darauf vor, Psychologie in naher Zukunft auf Universitätsebene zu studieren.
Im Jahr 2020 - mit mehr Erfahrung in sozialen Netzwerken und einem besseren Verständnis für deren Funktionsweise - beschloss er, sich dem Hochladen von Inhalten auf TikTok zu widmen. Auf dieser Plattform, die Trends mit Videos unter drei Minuten kombiniert, hat Cristian mit seinen Parodie-Videos zu Themen wie Politik, Inflation oder der Charakterisierung von Alltagssituationen im Leben der Costaricaner einen Boom ausgelöst. Sogar transnationale Unternehmen haben ihn bereits aufgesucht, um mit seinen Videos zu werben. Mit mehr als 94'000 Follower auf Tiktok hat er nun das gefunden, was er schon immer wollte: die Menschen motivieren, um glücklicher zu sein.
Am Ende des Interviews richtet Cristian eine Botschaft an die Jugendlichen, die am Förderprogramm von Edunámica teilnehmen: "Meldet Euch! Schämt Euch nicht, an die Türen von Edunámica zu klopfen, wenn etwas in Eurem Umfeld nicht stimmt. Denn Ihr seid nicht allein, und die Teilnahme am Programm ist ein grosser Vorteil für Euch."