Geschrieben und fotografiert: Stefan Volkamer
Der in Freising geborene, gelernte Kirchenmaler und Dipl.-Restaurator Rainer Sgoff hat sich in den vergangenen 20 Jahren als freischaffender Restaurator in der Denkmalpflege insbesondere in Süddeutschland einen Namen gemacht. In zahlreichen Kirchen, wie zum Beispiel die ehemaligen Klosterkirchen in Rott am Inn, Schlehdorf, Schäftlarn und Beuerberg, der Heilig-Geist-Spitalkirche in Schongau und der Hauskapelle im Benediktinerkloster Ottobeuren sowie der Schlosskapelle Nymphenburg, hat er konservatorische und restauratorische Maßnahmen durchgeführt. Aber auch Museen fragen seine Fachberatung immer wieder an. Wir haben uns mit Rainer Sgoff auf ein Gespräch im Marienmünster Diessen a. A. getroffen, wo umfangreiche Konservierungsmaßnahmen an den Altären unter seiner Fachbauleitung vorgenommen wurden.
Stefan Volkamer (SV): Herr Sgoff, Sie üben einen schönen wie ebenso ruhigen, ästhetischen und Geduld erfordernden Beruf aus. Was hat Sie bewogen, Kirchenmaler und Restaurator zu werden?
Rainer Sgoff (RS): Meine Berufswahl war schon ein wenig `vorbelastet´. Nicht, dass mein Vater den gleichen Beruf ausübte, aber er war Kunstlehrer und so kam ich schon früh mit Malerei und Bildhauerei in Berührung. Kunstwerke vor ihrem Verfall zu bewahren, sie der Nachwelt zu erhalten, ihr Erscheinungsbild der Bedeutung des Objektes gerecht werden zu lassen ─ das hat mich immer schon fasziniert und mich bewogen, zunächst eine praktische Ausbildung als Kirchenmaler zu absolvieren. Hier lernt man das Handwerkszeug wie etwa Pinselmarmorierungen, Metallisierungen, Vergoldungen und vieles mehr. Eine unabdingbare Voraussetzung in meinem Beruf. Meine Gesellenprüfung habe ich als Kirchenmaler abgelegt.
SV: Und danach?
RS: Parallel zu meiner praktischen Ausbildung als Kirchenmaler habe ich Deutsche und vergleichende Volkskunde und Kunstgeschichte an der LMU München studiert. Später war ich an der Meisterschule für Restaurierung und Konservierung an der Akademie der bildenden Künste in Wien und an der Hochschule für bildende Künste in Dresden. Meinen Abschluss zum Dipl.-Restaurator habe ich dann aber in Wien gemacht. Begleitende Praktika fanden in diesem Zeitraum natürlich auch statt. Und zwar in den Amtswerkstätten des Bundesdenkmalamts Wien und des Bayerischen Landesamts für Denkmalpflege in München sowie den Restaurierungswerkstätten des Bayerischen Nationalmuseums München. Viel vertiefende Praxis zur Theorie im Studium. Seit 20 Jahren arbeite ich jetzt als freischaffender Restaurator mit regionalem Schwerpunkt Süddeutschland, hatte aber auch Aufträge für Kirchen und Museen in Berlin, Weimar und Wien.
SV: Kein Beruf für Jedermann, oder?
RS: Nein, ganz bestimmt nicht. Man muss schon eine große Leidenschaft für Kunst, Kultur, Geschichte, Malerei und Bildhauerei mitbringen. Sonst geht es nicht. Außerdem braucht man viel Geduld, ein geschultes Auge, handwerkliches Geschick, Sinn für Ästhetik und ein hohes Maß an körperlicher Belastbarkeit. Auch schwindelfrei sollte man möglichst sein, denn oft arbeitet man auf Baugerüsten in großen Höhen, insbesondere, wenn es um Arbeiten in Kirchen und Schlössern geht. Bei Restaurierungs- und Konservierungsmaßnahmen müssen Handwerk und Wissenschaft fein ausbalanciert werden, um ein optimales, dem Objekt gerecht werdendes Ergebnis zu erzielen.
SV: Und wie kommen Sie an Aufträge?
RS: Der eine Weg sind klassische Ausschreibungen des Bundes, der einzelnen Länder, der Museen und Kirchen. Viel geht aber auch über Empfehlungen der Denkmalbehörden, der staatlichen Bauämter und dem Kunstreferat der Diözese.
SV: Über Stunden auf einer mobilen Hebebühne zu stehen oder zu hocken und nur wenige Quadratmeter Platz zu haben, stelle ich mir auf Dauer sehr anstrengend vor. Geht das nicht ganz schön auf die Knochen?
RS: Natürlich finden nicht alle Arbeiten unter diesen Umständen statt, viele aber schon. Das merkt man dann auch am Abend. Umso wichtiger ist es, immer wieder mal die Position und Haltung zu verändern. Meine Frau arbeitet als Physiotherapeutin, und darüber bin ich mehr als einmal im Monat sehr froh.
SV: Ihre Referenzliste ist sehr beeindruckend, alles bekannte Kirchen und Museen. Kann man gut davon leben?
RS: Na ja, wenn man bedenkt, wie viele Jahre praktischer und theoretischer Ausbildung hinter diesem Beruf stecken, könnte die Bezahlung in der Tat besser sein. Aber es ist eben ein künstlerischer Beruf, reich wird man damit nicht. Wie Karl Valentin schon sagte: Kunst ist schön, aber anstrengend.SV:Sie würden sich also wieder für diesen Weg entscheiden?RS:Ja, ganz bestimmt. Es macht mich sehr froh und zufrieden, diese wunderschönen, herrlichen und einzigartigen Kunstwerke vor ihrem Verfall zu bewahren und ihnen wieder ihren alten Glanz zurückzugeben, damit sich auch nachfolgende Generationen daran erfreuen können.