14. November 2022 | 09.00 bis 17.00 Uhr | Münster
- Tagungsort: Institut für Sportwissenschaft der WWU Münster, Horstmarer Landweg 52, Seminarraum H 101 (Anreisehinweis)
- Ausrichter: Arbeitsbereich Sportpädagogik & Sportgeschichte am IfS Münster
- Leitung: Michael Krüger/ Florian Wittmann
- Gefördert durch das Institut für Sportgeschichte Baden-Württemberg e.V.
- Eine Teilnahme ist sowohl in Präsenz als auch online möglich.
Die Gründung der Deutschen Hochschule für Leibesübungen (DHfL) in Berlin am 15. Mai 1920 gilt als Beginn der Sportwissenschaft in Deutschland gilt. In den 1920er Jahren wurden darüber hinaus an einigen Universitäten Institute für Leibesübungen gegründet, an denen Gymnasiallehrer für das Fach Leibesübungen/ Leibeserziehung ausgebildet wurden. Dieser Prozess der Verwissenschaftlichung und Akademisierung der Ausbildung von Lehrpersonal der Leibesübungen weist eine längere Vorgeschichte auf, die in die Mitte des 19. Jahrhunderts zurückreicht, als sich das Turnen als nationale Kultur der Leibesübungen in Schulen und Vereinen etablierte.
Ausgehend von zwei Jubiläen, die als milestones in der frühen Entwicklung der Sportwissenschaften angesehen werden können, will die Tagung am 14. November 2022 in Münster neue Erkenntnisse zur Wissenschaftsgeschichte der Leibesübungen erarbeiten und diskutieren: Erstens der 200. Geburtstag von Karl Wassmannsdorff (1821-1906). Er war einer der wichtigsten „Turnphilologen“ und Vertreter der Turnbewegung im Kaiserreich. Zweitens das 100. Gründungsjubiläum der Deutschen Hochschule für Leibesübungen in Berlin 2020. Dessen Prorektor Carl Diem berief sich in seiner „Weltgeschichte des Sports“ (zuerst 1960 erschienen) explizit auf Wassmannsdorff: „Er war Entdecker und Erklärer, und auch dieses Buch verdankt ihm viel. Es ist eine Freude, auf seinen Spuren zu wandern.“ (Carl Diem: Weltgeschichte des Sports, Bd. 2: Der moderne Sport, Stuttgart ³1971, S. 941.)
Ziel der Tagung ist es, die Rolle der Turnbewegung, Turnphilologie und Turnwissenschaft in Deutschland zur Zeit des Kaiserreichs und darüber hinaus für die Entwicklung einer Wissenschaft der Leibesübungen und des Sports im weitesten Sinn zu beleuchten. Dabei sollen sowohl wissenschaftshistorische, systematische und methodische Fragen der Quellenlage als auch politische und kulturelle Aspekte der Legitimation von Turn- und Sportwissenschaften an deutschen Universitäten thematisiert werden.
Programm
9.15 Uhr | Begrüßung und Einführung (Michael Krüger)
9.30 Uhr
- Gelehrte Männer ohne Körper? Deutsche Universitäten im Kaiserreich (Elmar Anhalt)
10.15 Uhr | Kaffeepause
10.30 Uhr
- Karl Wassmannsdorff – „erster und größter“ Turnphilologe (Florian Wittmann)
- Dr. Carl Philipp Euler (1828-1901) – Nestor der Jahn-Forschung (Josef Ulfkotte)
- Hans Brendicke – Berliner Turnlehrer und Turnphilologe (Gerd Steins)
12.45 Uhr | Mittagspause
14.00 Uhr
- Die Bedeutung der Olympischen Disziplinen der Antike für die Entwicklung der Turn- und Sportwissenschaft seit dem ausgehenden 19. Jahrhundert (Alexander Priebe)
- Der Beitrag der Turnbewegung zur Entwicklung zu einer Sportwissenschaft in Böhmen/Tschechoslowakei (Martin Klement)
15.30 Uhr | Kaffeepause
16.00 Uhr
- Gelehrtenbibliotheken als Quellen zur Turn- und Sportgeschichte. Digitalisierungsprojekt der Universitätsbibliothek der Humboldt-Universität Berlin (Stephanie von Schmädel)
16.30 Uhr | Abschlussdiskussion
Credits:
Potrait Wassmannsdorffs aus: Deutsche Turner, Porträts in künstlerischer Ausführung, Wien/Leipzig [1880]