Geschrieben und fotografiert: Stefan Volkamer
Es gibt immer wieder Menschen, die es mit großer Begabung, Leidenschaft, Fleiß und unerschütterlichem Glauben an sich selbst zu etwas Großem bringen. Dazu gehört auch Nicola Keysselitz, wohnhaft in Ambach am Ostufer des Starnberger Sees. Mit ihren außergewöhnlich kreativen und phantasievollen, fast schon märchenhaft anmutenden Karikaturen von Menschen, aus denen sie Tortentopper bzw. Tortenaufsätze modelliert und verkauft, hat sie der Welt der Zuckerbäckerei ihren eigenen Stempel aufgedrückt. Angefangen hatte alles zunächst einmal ganz normal. In Ambach aufgewachsen, hat sie zunächst die Münsinger Volksschule, später dann das Gymnasium in Starnberg besucht und absolviert.
Loriot als inspirative Quelle
„Mein Vater war ein Kreativer aus der Werbeszene, und ganz in unserer Nähe lebte damals der berühmte Karikaturist Vicco von Bülow, Loriot. Loriot hatte in meinen jetzigen Kursräumen gearbeitet, die mein Vater ihm vermietet hat. Dort sind seine Zeichentrickfilme entstanden, und ich habe mir immer die Folien, die nach fertiggestellten Filmen entsorgt wurden, aus der Tonne stibitzt. Sie waren eine große Inspiration für mich. Vor allem auch deswegen, weil ich schon als Kind und später auch als Jugendliche selber gezeichnet und kleine Karikaturen erstellt habe – allerdings nicht in seiner Qualität“, erinnert sich Nicola noch gut. „Aber Zeichnen, Stricken, Basteln und auch Backen machten mir viel Spaß, das waren meine Hobbies zu dieser Zeit.“ Waren ihre ersten Karikaturen ─ eher Männchen, wie sie sagt ─ noch gezeichnet, hat sie später ihre Figuren aus Ton und Marzipan modelliert. In dieser Zeit entstanden auch ihre ersten Hochzeits- und Geburtstagstorten für Freunde und Bekannte. Da sie aber auch eine gewisse Begabung und Neugier für Fremdsprachen zeigte, ging sie nach dem Abitur für jeweils drei Monate nach Frankreich, England und Spanien auf eine Sprachschule. „Eine spannende, tolle, wilde und erlebnisreiche Zeit war das“, so Nicola Keysselitz. Wieder zurück am See, besuchte sie noch für ein Jahr die Zeichenschule Hans Seeger in München, dann folgte ihr erster großer Sprung. „Ich wollte unbedingt in Spanien leben. Das aber war ein Wunsch, dem meine Eltern eher mit Zweifeln begegneten. Erst als ich alles in Eigenregie heimlich festgemacht hatte und meine Eltern quasi vor vollendete Tatsachen stellte, waren sie einverstanden.“
Ab nach Spanien
1985 ging sie ganz nach Spanien. Dort absolvierte sie zunächst eine Ausbildung als Grafikerin, arbeitete freiberuflich im Bereich Mediendesign, dann als Layouterin bei Gruner&Jahr/Madrid, begegnete ihrer großen Liebe, heiratete, gebar 3 Kinder, unterstützte ihren Mann beim Aufbau eines EDV Großhandels und leitete über 15 Jahre die Finanzabteilung des jungen Familienbetriebes. Mit der Gründung ihres eigenen Food-blogs, auf dem sie unzählige ihrer persönlichen Back- und Tortenrezepte veröffentlichte, erfolgte ein weiterer großer Sprung. „Der Blog war stark besucht und bereitete mir fast schon ein sündhaftes Vergnügen, aber als mich dann 2012 meine Tochter mit Fondant und Motivtorten in Kontakt brachte, war es um mich geschehen. Es folgten hunderte verschiedener Tortentopper aus diesem perfekt zu modellierenden Material, und so formte sich langsam bei mir die Idee, aus meinem Hobby einen Beruf zu machen“, erzählt Nicola, die umgehend eine weitere Schulbank drückte.
Zurück nach Ambach – Key for cakes
Ihre Fortbildung in der renommierten französischen Koch- und- Patissier-Schule "Le Cordon Bleu" in Madrid markierte aber gleichzeitig den Abschluss ihres 30-jährigen Spanien Aufenthalts. Die Wirtschaftslage in Spanien war zudem angeschlagen, und als dann auch noch private Umstände das Leben in Spanien erschwerten, kehrte sie 2013 nach Ambach zurück und gründete ein Jahr später ihre heutige Firma "Key for cakes". Mitte 2014 eröffnete sie ihre Motivtortenschule und begann mit zahlreichen Kursen. Doch wie ist sie auf den Namen gekommen? „Auf den Namen hat mich eine meiner Töchter gebracht. Key steht für Keysselitz und bedeutet gleichzeitig der Schlüssel zu Motivtorten“, gesteht sie.
Ambach ist nicht der Nabel der Welt, und so musste sie sich einiges einfallen lassen, um in der „Tortenszene“ bekannt zu werden. Klassische Werbemittel wie Flyer, Anzeigen und Karten gehörten dazu, vor allem aber die sozialen Medien mussten bespielt und regelmäßig gefüttert werden. Nach nur einem Jahr hatte sie bereits über 5.000 sog. Follower, aber ihr Bekanntheitsgrad in Deutschland war noch spärlich. „Wenn man wirklich bekannt werden möchte“, so Nicola Keysselitz, „ kommt man an Tortenwettbewerben nicht vorbei. Man muss dann schon an den bekanntesten Hobbybäcker-Messen in Deutschland, Österreich und England teilnehmen, und das möglichst erfolgreich. Auch die Teilnahme an renommierten Workshops ist unverzichtbar.“
Auszeichnungen über Auszeichnungen
Auszeichnungen hat Nicola Keysselitz reichlich bekommen. Auf der „Tortenmesse Wien“ BRONZE und auf der „Cake World Germany Esslingen“ SILBER, auf der „Cake International Birmingham“, die weltgrößte Hobbybäckermesse, gewann sie zweimal GOLD, auf der „Cake & Bake Dortmund“ ebenfalls GOLD und auf der „Kuchenmesse Wels“ GOLD + BEST OF CLASS + BEST OF SHOW. Preise über Preise. Das ist auch einer der Gründe, warum Nicola heute selber Jurorenmitglied ist. „Seit September 2015 bin ich Teil der Jury für Wettbewerbe in Deutschland und Österreich und seit 2017 auch auf der Cake International in England“, berichtet sie nicht ohne Stolz.
Hat sie Lebensmotto? „Ja“, meint sie. „Das wichtigste für mich ist die positive Einstellung zum Leben. Immer nach vorne schauen! Das Leben ist ein stetiges Auf und Ab, aber nur mit Tiefen kann man wachsen...und das versuche ich jeden Tag“, verrät sie uns.