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»Es war hier…« Die doz20-Ausstellung zum Thema »Flucht und Deportation, Opfer- und Täterbiografien – eine Spurensuche…« ist nun kostenlos ausleihbar beim Medienzentrum des Landkreises Verden.

Die doz20-Ausstellung entstand in enger Zusammenarbeit mit Dr. Joachim Woock und thematisiert die November-Pogrome 1938 in Verden und Achim.
Anläßlich der Eröffnung des Themenabends »Jüdische Woche« wurde die Ausstellung im Herbst 2021 in der Aula des Gymnasiums am Wall erstmals gezeigt.

Die Ausstellungstafeln und Info-RollUps stießen auf großes Interesse und können nun von interessierten Institutionen und Bildungsträgern kostenlos ausgeliehen werden. Eine Anfrage beim Medienzentrum des Landkreises Verden genügt…

Die doz20-Ausstellung besteht aus Informationstafeln im Format DIN A2 und kann beim Medienzentrum des Landkreises Verden kostenlos ausgeliehen werden – entweder komplett oder getrennt für die Themenbereiche Verden und/oder Achim. Gefördert wurde die Ausstellung des Dokumentationszentrums Verden im 20. Jahrhundert e.V. (doz20) durch das Weser-Aller-Bündnis: Engagiert für Demokratie und Zivilcourage e.V. (Wabe) mit Mitteln des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend im Rahmen des Bundesprogramms »Demokratie leben!« und dem Landkreis Verden (Netzwerk Erinnerungskultur).

Eine Kurzvorstellung:

Die Inhalte beziehen sich auf die Verfolgung und Entrechtung der jüdischen MitbürgerInnen vor und nach den Pogrom­nächten in Verden und Achim. Das Besondere an der Ausstellung ist, dass auch die Täter in den Blick genommen werden, die im Landkreis Verden als nationalsozialistische Funk­tionsträger Hitlers willige Helfer waren.

Pogrome 1938 in Verden und Achim: Flucht und Deportation, Opfer- und Täterbiografien – eine Spurensuche. Die ersten beiden Tafeln geben einen Überblick zur reichsweiten Pogromnacht vom 9./10.November 1938 und zu den speziellen NS-Begriffen »Mischehen«, »jüdisch versippt« und »Rassenschande«, die später in der Ausstellung mit persönlichen Schicksalen verknüpft werden. Im Verdener Teil der Ausstellung werden zunächst das jüdische Leben in Verden (Gründung der jüdischen Gemeinde, Boykott-Aktionen vom 1. April 1933) und die Synagoge am Johanniswall vorgestellt. Zum ersten Mal werden Rekonstruktionszeichnungen der zerstörten Synagoge gezeigt, die 2021 an der TU Braunschweig im Fachbereich Architektur von zwei Studentinnen angefertigt wurden.

Der Pogrom: Rückfall in die Barbarei und Auftakt zur Shoah. Zwei Tafeln widmen sich den Vorgängen in der Pogromnacht. Gegen Mitternacht schlugen SA-Männer Schaufensterscheiben der jüdischen Geschäfte ein und nahmen zehn jüdische Männer in »Schutzhaft«. Gegen fünf Uhr morgens steckten drei unbekannte Männer die Verdener Synagoge in Brand und entwendeten Kultgegenstände. Ein Gestapobeamter und Landrat Karl Weber verboten den Feuerwehrmännern zu löschen. Die ins Landgerichtsgefängnis eingelieferten Männer wurden nur gegen Zusicherung unverzüglicher Auswanderung entlassen. Lediglich drei der Inhaftierten konnten noch vor Kriegsbeginn auswandern. Einige zogen aus Verden fort und flüchteten dann von einer anderen Stadt ins Ausland. 21 jüdische MitbürgerInnen, die damals noch in Verden lebten, wurden am 18. November 1941 ab Bremen nach Minsk deportiert.

Überlebt: Johanna und Leopold Rothschild in »nicht privilegierter Mischehe« Leopold Rothschild heiratete 1912 die katholisch getaufte Johanna Seitz. Das Schuhgeschäft wurde geschlossen und das Ehepaar musste in das »Judenhaus« am Holzmarkt einziehen. Im Februar 1945 wurde er verhaftet und sollte nach Theresienstadt deportiert werden. In Hannover endete die Fahrt wegen zerstörter Gleise. Er kam wieder zurück und wurde in den letzten Kriegstagen von Freunden im Rathauskeller versteckt.

Gestapo Aussenstelle Verden: Für die Pogromnacht in Verden konnten drei Gestapo-Beamte ermittelt werden: Hermann Tippenhauer, Paul Böhlke und Karl Tjaben. Die zehn von der SA festgenommenen jüdischen Männer wurden zum Gestapo-Büro, das sich in einem Wohn- und Geschäftsgebäude in der Herrlichkeit Nr. 4 befand, gebracht. Zwei Stunden später überführten Böhlke und Tippenhauer die Männer ins Landgerichtsgefängnis. Im Synagogenbrandprozess nach dem Krieg gab der beschuldigte Leiter der Feuerwehr Johann Hagemann an, dass er von einem Gestapo-Beamten angewiesen wurde, die Synagoge nicht zu löschen. Nach dem Krieg wurde das Spruchgerichtsverfahren gegen Hermann Tippenhauer eingestellt, da er inzwischen als »Agent im Dienste der US-Militärregierung« arbeitete.

Die Ausstellung besteht aus über 40 Informationstafeln im Format DIN A2. Die Tafeln bestehen aus bedrucktem, stabilen 16mm starken Wabenkarton aus der grafischen Industrie. Die Tafeln sind sehr leicht und lassen sich mit Pin-Nadeln an den Bilderösen aufhängen. Auch die großformatigen Roll-Ups sind von nachhaltiger Produktionsweise. Die Gestelle bestehen aus Holzleisten, welche lediglich zu einer stabilen L-Konstruktion zusammengesteckt werden müssen. Der bedruckte SEAQUAL-Stoff ist ein Gewebemix und enthält einen Anteil von recyceltem Plastikmüll, welches dem Meer entnommen wurde.

Anfragen bitte an den Landkreis Verden (Medienzentrum), Tel. 04231/15-293 oder per Email

medienzentrum@landkreis-verden.de

Alle verfügbaren Ausstellungstafeln in nummerischer Reihenfolge:

Themenschwerpunkt: Verden

Die doz20-Ausstellung besteht aus großen, durchnummerierten Informationstafeln im Format DIN A2 und kann beim Medienzentrum des Landkreises Verden kostenlos ausgeliehen werden – entweder komplett oder getrennt für die Themenbereiche Verden und/oder Achim.

  • 01 Reichspogromnacht statt »Reichskristallnacht«
  • 02 Nazi-Deutsch: »Mischehe«, »jüdisch versippt«, »Rassenschande«
  • 03 Die jüdische Gemeinde in Verden jüdisches Leben in Verden
  • 04 Die Pogromnacht in Verden – Rückfall in die Barbarei
  • 05 Die Pogromnacht in Verden – vom Pogrom zur Shoah
  • 06 Abschiebung der »Ostjuden«: Das Schicksal der Familie Grünfeld
  • 07 Illegale Ausländerin in Palästina: Hanni Baumgarten; vom Ghetto Theresienstadt nach Schweden: Horst Baumgarten
  • 08 Versteckt: Marianna Osterholz
  • 09 Überlebender des Ghettos Minsk: Martin Spanier
  • 10 Überlebt: Johanna Pichet in »privilegierter Mischehe« und Tochter Erika
  • 11 Überlebt: Johanna und Leopold Rothschild in »nicht privilegierter Mischehe«
  • 12 Das erste Mordopfer der Nazis: Joseph Goldschmidt
  • 13 Berufsverbot für Dr. Gustav Löwenstein – neue Existenz in Palästina
  • 14 Familie Julius und Amalie Löwenstein – Schicksale
  • 15 Zwei Uhrmachermeister mit Zivilcourage: Wilhelm und Bruno Gratz
  • 16 Die Geheime Staatspolizei in der »Herrlichkeit«
  • 17 SA-Standarte 14 Verden
  • 18 NSDAP-Ortsgruppenleiter Bruno Woltersdorf; NSDAP-Kreisleiter Otto Schwiering
  • 19 Landrat Dr. Karl Weber; NSDAP-Kreisleiter Ernst Brändel
  • 20 Kurzer Prozess: Freispruch für Kreisbrandmeister Johann Hagemann
  • 21 Gedenkorte – Erinnerung an vergangenes Unrecht
  • 22 Spuren und Versöhnung – Das Geheimnis der Erlösung heißt Erinnerung

Themenschwerpunkt: Achim

  • 23 Die jüdische Gemeinde in Achim – jüdisches Leben in Achim
  • 24 Die Pogromnacht in Achim – der Befehl kam aus Bremen
  • 25 Der Pogrom als Menetekel
  • 26 Überlebender des Ghettos Minsk: Kurt Anspacher
  • 27 Paul Anspacher – SA-Obersturmführer Kuckucks Rache
  • 28 Liesel Anspacher – Tod mit 18 Jahren
  • 29 Albert Seligmann – Patriot und Demokrat
  • 30 Von der Schneiderei zum Kaufhaus – Alfred und Siegfried Heilbronn
  • 31 Paula Kück – ein Leben in »Mischehe«
  • 32 Else Forke – vom Ehemann denunziert
  • 33 SA-Sturm 2/14 Achim
  • 34 NSDAP-Ortsgruppenleiter Wilhelm Rieke
  • 35 NSDAP-Ortsgruppenleiter Adolf Schulze
  • 36 NSDAP-Kreisleiter Heinrich Peper
  • 37 Kurzer Prozess: Die Täter der Pogromnacht
  • 38 Gedenkorte: Denkmal am Synagogenweg – Straßenschilder zum Nachdenken
  • 39 Spurensuche: Jüdischer Friedhof – »Stolpersteine«
Eine Auswahl von neun Motiven ist als Präsentation auf großformatigen, hölzernen RollUps - auf Anfrage beim doz20 - ebenfalls kostenlos erhältlich.

Sprechen Sie mit uns:

doz20 e.V., Holzmarkt 13, 27283 Verden, Öffnungszeiten: Mo. und Mi. 16:00 – 18:00 Uhr Telefon: 04231 92 81 553, Homepage: www.doz20-verden.de

Copyrights: Dr. Joachim Woock (Content) und Martin Drichel (Web-Präsentation), 03/2022. Veröffentlichung von z.B. Textauszügen, Zitaten, Bildern, Videos o.ä. nur nach vorheriger Anfrage beim Autor unter eMail: info@doz20-verden.de

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Martin Drichel
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